Mit dem One Touch Idol X wagt sich Alcatel einmal mehr an die Quadratur des Kreises: Dual-SIM,  5 Zoll Full HD-Display, Quad-Core-Prozessor, 13 Megapixel Kamera bei weniger als 7 Millimeter Bauhöhe zum Kampfpreis von wenig mehr als 300 Euro. Ob das Idol X hält, was es verspricht, erfahrt ihr in unserem Test.

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Idol X Ausstattung – Luxus für die Masse

Alcatel geht mit dem One Touch Idol X in die Vollen: Das Display mit einer Diagonale von 5 Zoll respektive 126 Millimetern, als Prozessor kommt ein Quad-Core-Chip zum Einsatz und die Kamera nimmt Fotos mit 13 Megapixel sowie Videos in Full HD auf. Als Sahnehäubchen gibt es obendrauf noch zwei Einschubschächte für SIM-Karten. All das steckt in einem Gehäuse, das laut Hersteller 6,9 Millimeter flach sein soll. Das Beste aber ist der Preis: Die unverbindliche Empfehlung des Herstellers lautet 329 Euro ohne Vertrag – moderat! Klingt zu schön, um wahr zu sein? Im Test erhält das Idol X Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen.

Alcatel One Touch Idol X

SYSTEMAndroid 4.2 Jelly Bean
DISPLAY5 Zoll, 1.920 x 1080 Pixel, IPS, 441 ppi
PROZESSOR/GRAFIK
  • MedaTek Quadcore CPU mit 1,5 GHz
  • GPU: 300 MHz PowerVR SGX544
ARBEITSSPEICHER2 GB
INTERNER SPEICHER16GB EMMC, 12.5 GB frei nutzbar // micro-SD bei 6040/6040A
KONNEKTIVITÄTBluetooth 4.0,Dual-Band nWLAN,GPS, NFC
KAMERA
  • Hauptkamera:13 Megapixel, HDR, Gesichts- und Lächelerkennung, Berührungsfokus, Panorama, 3D-Foto, Serienbildaufnahme, Autofokus, LED-Blitz
  • Frontkamera: 2 Megapixel1080p Video (Aufnahmen & Wiedergabe)
AKKU2000 mAh
ABMESSUNGEN14,04 x 6,75 x 0,69 cm
GEWICHT130 g
VARIANTEN/FARBEN
  • red, flash yellow, slate
  • Einzelne SIM-Version: 6040/6040A // Dual-SIM-Version: 6040D/6040E
PREIS/VERÖFFENTLICHUNGab ca. 310 EUR (Stand: 2.2.2014)

Licht und Schatten bei der Technik und Ausstattung: Alles ist nominell vorhanden, aber im Detail offenbaren sich ein paar Patzer: Android Jelly Bean ist vorinstalliert, kommt aber nur in der wenig performanten 4.2.2-Version zum Einsatz, die den im Grunde ordentlich werkelnden Quadcore-Prozessor aus dem Hause MediaTek unnötig ausbremst.

An den 2 GB RAM wird sicher niemand Anstoß finden, eher an der fehlenden Erweiterbarkeit mittels micro-SD-Slot bei der hier in Deutschland vertriebenen DualSIM-Variante. Es existieren auch Idol X Varianten mit micro-SD-Kartenslot, die aber im Gegenzug nur eine SIM-Karte aufnehmen. 16 GB sind in der heutigen Zeit etwas knapp bemessen, müssen also per Cloud-Anbindung notfalls erweitert werden.

Größter Stein des Anstoßes ist aus meiner Sicht die fehlende LTE-Option, die in ein Mittel-oder Oberklasse-Smartphone heutzutage gehört. Dafür entschädigt das Idol X immerhin mit einer schnellen HSPA+-Anbindung mit bis zu 42 Mbit/s im Download  und bis zu 11 Mbit/s im Upload. Doch grau ist alle Theorie: bei 02 ist selbst mit LTE bei 21,1 Mbit/s Schluss, bei E-Plus wird die volle HSDPA+-Anbindung ermöglicht. Also gilt: im Einzelfall genau prüfen, was sich lohnt.

Design, Display & Verarbeitung: langsam auf TOP-Niveau

Ein 5″ Full-HD Display, das kaum Wünsche offen lässt und bei dem Alcatel bis zum Rand des Möglichen gegangen ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Randloses Design sind wir ja bei den Chinesen mittlerweile gewohnt, mit solch einer üppigen Bildschirmdiagonalen (das Hero bietet noch mehr – Vorfreude pur!) macht das Edge-to-Edge-Format gleich doppelt so viel Spass. Dadurch wirkt es viel graziler als etwa dicke Brocken wie das Xperia Z, ist also ganz im Stile moderner Smartphones wie das LG G2 oder das Nexus 5 gehalten. Das überzeugt!

Alcatel One Touch Idol X: Nur 6,9 mm dünn

Ultraslim ist wohl der passende Anglizismus um die 6,9 Millimeter präzise zu beschreiben, die das Idol X dick ist. Und „dick“ bitte in ganz großen Anführungszeichen lesen! Auch dank der verwendeten Materialien in Kombination zu der hier bereits beschriebenen ökonomischen Bauweise bringt das DualSIM-Handy gerade einmal 130 Gramm auf die Waage. Es liegt sehr gut in der Hand, Zeitgenossen, die angesichts des fünf Zoll-Displays Ermüdungserscheinungen und Unhandlichkeit befürchten, können beruhigt werden. Die Bedienung geht sehr leicht von der Hand, auch dank angenehmer Rundungen und nicht zu rutschigem Material . Einzig der An/Aus-Knopf ist einmal mehr falsch gesetzt: er gehört an die Seite und nicht oben platziert – gerade bei einem großen Smartphone.

Auf der Vorderseite sind unterhalb des Displays drei Sensortasten, die ruhig ein wenig berührungsempfindlicher hätten ausfallen können. Im Gegensatz zu vielen anderen Smartphones mit randlosem Design benötigt das Idol X keine Softkeys/OnScreen-Tasten, die unnötigerweise im Display selbst dargestellt werden. Die Bildschirmdiagonale wird also vollständig ausgenutzt – das ist prima!

Einmal mehr gilt: es wird „nur“ Kunststoff/Polycarbonat verwendet, bei der Passgenauigkeit und Verarbeitung hat man aber überhaupt nicht gespart. Wenn man so will, wird eine hochwertige, edle Optik mit einfachen Mitteln realisiert: der seitliche Rahmen ist kein matt lackiertes, gebürstetes Aluminium, auch wenn es zunächst so aussieht. In Punkto Optik kehrt man auch auf der Rückseite der ansprechenden Designlinie nicht den Rücken: die knallbunte Farbgebung, in unserem Fall knallrot, sieht sehr gut aus. Das kommt mit der ansonsten einfach gehaltenen Rückseite sehr gut zur Geltung, auf der lediglich zwei Schriftzüge, die  Linse der 13 Megapixel starken Kamera sowie deren LED-Leuchte platziert sind.

Die Optik ist sehr gelungen und wer kein Problem damit hat, öfter neugierige Blicke auf sich zu ziehen, greift zur roten oder gelben Variante des Idol X. Konservativere Zeitgenossen sind mit der grau-schwarzen Version ebenfalls gut aufgehoben.

Wohin man auch sieht, wird man beim Thema Optik, Verarbeitung und Display nicht enttäuscht: Das gilt bei der Blickwinkelstabilität des FullHD-Displays dank In-plane Switching Technology (IPS) mit bis zu 170 Grad  – auf Deutsch bedeutet dieses Kauderwelsch, dass es keinen Unterschied macht, wie und aus welcher Perspektive man heraus das Display betrachtet – es ist jederzeit sehr gut ablesbar, egal ob man ganz genau hinschaut oder nur einen flüchtigen Blick darauf wirft. So soll es sein, und so ist es. Insgesamt ist das Display, auch wenn mich viele dafür Köpfen werden, besser als etwa das eines Samsung Galaxy S4 und geht in Richtung LG G2 sowie Galaxy Note 3. Aus der Erinnerung heraus würde ich die beiden einen kleinen Ticken besser einschätzen, den direkten Vergleich habe ich nicht mehr machen können.

Alltag & Performance

Gewohnt ungewohnt: auch diesmal entfernt sich Alcatel ein klein wenig vom üblichen Android-Konzept und verzichtet auf den klassischen App-Drawer. Das mag anfangs verwirren, landen so alle neu installierten Apps auf dem Homescreen, so wie etwa bei iOS 7. Fast, denn der App-Drawer ist nur (gut) versteckt. Um ihn aufzurufen muss man die rechte Softkey-Taste drücken, während man auf einem der Homescreens ist. Für mehr Ordnung sorgen Ordner, sagt nicht nur Hausmeister Krause.Persönlich kann ich mit dem versteckten App-Drawer gut leben und finde daran nichts Verwirrendes. Oft genug kommt er mir eh wie eine Art doppelter Buchführung vor.

Der Lockscreen ist hübsch animiert und funktional ausgelegt: über ein Ringmenü ist ein Schnellzugriff  auf das Telefon, SMS oder Kamera möglich. Auch eine einfache Form der Gestensteurung wurde implementiert: so kann man etwa Anrufe durch Umdrehen stumm schalten oder bei laufender Musikwiedergabe den nächsten Titel durch Schütteln aufrufen. Die erste Funktion ist imho sehr nützlich und intuitiv, letztere finde ich ein wenig seltsam.

Optisch entfernt man sich von der drögen Android-Oberfläche und setzt auf eine bunte Optik im angesagten Flat-Look. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, allen, denen ich die Alcatel-UI zeigte, sagte sie aber eher zu als Stock-Android.

Gerne vergessen, aber auch bei einem Smartphone wichtig: das Telefonieren bzw. die Sprachqualität ist gut– wobei im Hintergrund ein leichter, indes nicht weiter störendes (Grund-)Rauschen zu verzeichnen ist. Auch über den eingebauten Lautsprecher lässt sich das Gespräch einigermaßen angenehm führen. Hier kann die Alcatel-Software weitaus treffsicherer als die anderer Hersteller die Stimme verstärken und von Nebengeräuschen unterscheiden.

Gute Kamera

13 Megapixel auf der Rückseite klingen nach gehobenem Standard und ansehnlichen Bildern–  ein Versprechen, das einigermaßen eingelöst werden kann. In der Tat kann sich das Idol X  gegenüber anderen, auch teureren Kamera-Smartphones sehen lassen. Selbst unter schlechten Lichtverhältnissen liefert das DualSIM-Smartphone noch akzeptable Aufnahmen, ohne allzu viele Details im typischen Smartphone-Kamera-Rauschen zu verlieren.  Wie immer versprechen 13 Megapixel auf engstem Sensor-Raum mehr, als sie tatsächlich halten können. Diese Versprechen löst aber keine einzige Smartphone-Kamera ein. Erlaubt sei in jedem Fall aber ein wenig Kritik am Output: die Aufnahmen sehen etwas blass aus, es fehlt zudem ein wenig an Kontrast. Insgesamt sind mit der Kamera des Idol X trotzdem sehr ansehnliche Bilder möglich. Die Frontkamera löst mit 2,1 Megapixeln auf und ermöglicht so eine gute Qualität für die äußerst beliebten Selbst(-verliebten)Portraits oder in Videoanrufen.

Kleiner Hinweis: wie manche andere Kamera, nimmt das Idol X im Standard-Modus nicht mit der maximal möglichen Auflösung auf, sondern im Bildschirm füllendem 16:9-Format, was im Endeffekt einer Auflösung von ca. 9,6 Megapixeln entspricht. Die 13 Megapixel erhaltet ihr, wenn ihr in der Kamera unter den Einstellungen den Schalter bei Vollbild entfernt! Dann haben die Aufnahmen eine Auflösung von 3168 × 4224, was in etwa 13 Megapixeln sind. Zum Vergleich: auch ein Galaxy S4 nimmt bei Standard-Einstellung nur mit 2322 × 4128 Bildpunkten auf, bei voller Auflösung liegen die Bilder dann mit 4128×3096 Pixeln vor.

Akku

Für viele unverständlich fällt der Akku bei solch einem fünf Zoll Display mit gerade einmal 2000 mAh recht klein aus. Hinzu kommt, dass er nicht wechselbar ist. Das ist letztlich der schlanken Bauweise geschuldet, die (momentan noch) ihre Opfer verlangt. Vorweg: mit dem Idol X wird man keine Laufzeitrekorde aufstellen können, über den Tag kommt man aber allemal.

Immerhin löblich, dass Alcatel dem Idol X eine recht umfangreiche Akkuverwaltung spendiert, die etwa mit einem Extremsparmodus aufwartet. Hierbei wird das Smartphone bis auf Grundfunktionen wie Telefonieren oder SMS-Empfang reduziert. Hilfreich, wenn man einfach nur telefonisch erreichbar sein will und den Smartphone-Zusatz nicht braucht. Weiterhin ist es möglich, dass Idol X jeden Abend (oder wann auch immer) schlafen gehen und morgens wieder aufstehen zu lassen. Diese Maßnahmen sind hilfreich, die nicht besonders lange Akkulaufzeit zu verlängern. Wer nicht ständig viele soziale Dienste wie etwa Facebook, Google+ und Twitter synchronisiert, kann ebenfalls sparen und so (sprichwörtlich) über den Tag kommen.  Insgesamt richtet sich das Gerät an Personen, die nicht ständig ihr Smartphone nutzen wollen oder müssen.

FAZIT – Großer Nexus 5 Konkurrent zum kleinen Preis

Das Idol X kann sehr viele positive Eigenschaften für sich verbuchen: ein frisches, zeitloses Design, ein hervorragendes Display und eine ordentliche Kamera findet man zu derzeitigem Preis kaum in anderen Smartphones. Andererseits trüben manche Details das ansonsten nahezu makellose Gesamtbild: zwar ruckelt das Betriebssystem längst nicht so stark, wie einige Rezensionen nahelegen, aber wegdiskutieren lassen sich die Ruckler andererseits auch nicht. Im Einsteiger-Segment kann man ruhig darüber hinwegsehen, bei einem Mittelklasse-Gerät mit Ambitionen, stellt diese Performance-Schwäche einen unnötigen Fauxpas dar. Das liegt am Alcatel Launcher sowie an Android 4.2.2, das nicht das Gelbe vom Ei ist. Mit einem alternativen Launcher läuft es übrigens wesentlich flüssiger. Von daher sind aus unserer Sicht hier die Alcatel-Ingenieure aufgerufen, mittels Update Hand anzulegen. Da geht sicher noch mehr.
Der Akku ist Durchschnitt, was angesichts der ultraschlanken Bauweise auch nicht weiter verwundert. Ein vergleichbares Smartphone wäre das bei uns vielgescholtene Nexus 5, das einen besseren Akku, LTE-Unterstützung sowie das aktuellere Betriebssystem besitzt, das zudem ruckelfrei läuft. Schnäppchenjäger und DualSIM-Liebhaber mit einem Auge für Design greifen wahrscheinlich weiterhin zum Idol X, Technik-Fans sind mit dem Nexus 5 besser aufgehoben.
[divider]Das Idol X im Wertungsspiegel[/divider] Nicht nur bei uns hinterlässt das Alcatel One Touch Idol X eine guten Eindruck, auch wenn man langsam aber sicher merkt, dass sich Alcatel bei künftigen Tests an noch strengeren Kriterien messen wird. Mit dem wachsenden Erfolg steigen auch die Ansprüche. An sich eine gute Sache, wenn man man nicht mehr als Exot wahrgenommen wird, sondern als ernst zunehmende Alternative zu den etablierten Platzhirschen.

Offizielle Webseite Idol X