Alcatel OneTouch Idol – Review

Nachdem Samsungs kontroverse Materialwahl für teure Premium-Smartphones immer häufiger Anlass emotional geführter Diskussionen wird, fallen günstige Smartphones wie das Alcatel OneTouch Idol ganz besonders auf. Schließlich gelingt es den Chinesen Smartphones (scheinbar?) im Premiumdesign zu gestalten, ohne dabei die Preisschraube nach oben anziehen zu müssen. Ob man dafür mit anderen Einbußen leben muss, wird unser Test zeigen.

Technische Daten Alcatel One Touch Idol 6030d

  • 1GHZ DualCore Prozessor
  • 1024mb RAM
  • Android 4.1.1
  • 4.7 Zoll IPS Display mit 540 x 960 Pixeln
  • Info-LED (einfarbig)
  • 8MP Hauptkamera mit 720p Videoaufnahme
  • 2MP Frontkamera
  • UKW Radio
  • Zwei Micro-SIM-Slots
  • Akku: 1800mAh
  • Gewicht: 110g
  • 7.9mm dünn

Metall? Metall! Metall! Metall?

Ob es nun wirklich Aluminium ist, (die Fotos ließen es vermuten), oder nicht, spielt im Prinzip keine Rolle (es ist ein Kunststoff-Unibody-Gehäuse). Denn so oder so steht fest: rein äußerlich sieht man dem Gerät seinen günstigen Preis nicht an. Für manch einen mag allenfalls das sehr geringe Gewicht ein Indiz darauf sein. Denn mit ca 110g ist es wirklich ein Fliegengewicht, schließlich handelt es sich um ein doch recht großes Smartphone. Neben der cleveren Materialwahl besticht das Alcatel OneTouch Idol allerdings auch durch das gelungene Design. Wie sonst nur Geräte jenseits der 400€-Marke setzt man auf ein Unibody-Gehäuse. Das heißt, dass das Gerät aus einem einzigen Stück besteht, auf welches das Display montiert wurde. Auf der schwarzen Front findet man innerhalb des 4.7 großen Screens die gewohnten Android-Haupttasten. Oberhalb des Bildschirms finden sich, fast schon klassisch, Hörmuschel, Frontcam und Lichtsensor wieder. Die Front wirkt also sehr aufgeräumt, und man hat hier kaum Platz verschwendet.

Leider entschied man sich wieder den Einschaltknopf rechts oben zu positionieren, was gerade bei großen Smartphones eigentlich keinen Sinn macht, weil sich das Gerät so nur verkrampft entsperren lässt.

Die Einschübe für die beiden Micro-SIMs wurden an beiden Seiten unter dezenten Abdeckungen versteckt. Die Rückseite wirkt sehr schlicht und edel, vor allem durch den metallischen Look.

Dank des gelungenen Mix aus Rundungen und Kanten liegt das mit 7.9mm extrem schlanke Alcatel OneTouch Idol sehr angenehm in der Hand. Durch die recht glatte Oberfläche könnte das Smartphone aber auch schnell einer schwitzigen Hand entgleiten.

Perfekt abgestimmt: Hard- und Software

Für eine ungestörte Smartphone-Nutzung ist eine gutes Zusammenbspiel von Hard- und Software unabdingbar. Bei veralteter oder schlecht programmierter Software bringt auch ein Quadcore-CPU nichts. Verpasst man dem Gerät viele aufwändige Software-Extras, vergisst aber für entsprechend viel RAM zu sorgen, wird man sich früher oder später über ein lahmendes System beschweren. Und auch die Zielgruppe muss im Auge behalten werden, schließlich möchten Einsteiger nicht unbedingt erst einmal Tage nach Apps suchen, welche das Gerät um Funktionen erweitern, die längst zum Standard gehören. Ganz schön viel, worauf man als Kunde, aber auch als Hersteller, achten muss.

Und obwohl das bei Smartphones, die preislich eher der unteren Mittelklasse angehören, besonders schwierig scheint, ist dies Alcatel wunderbar gelungen. Das Alcatel OneTouch Idol läuft mit einem 1GHz DualCore-Prozessor, welcher für die allermeisten aktuellen Spiele ausreicht. Der 1GB große Arbeitsspeicher ermöglicht die gleichzeitige Nutzung vieler Apps, sowie ein schnelles Hin- und Herspringen zwischen einzelnen Anwendungen. Im direkten Vergleich mit Highend- Smartphones merkt man aber natürlich, dass die Reaktionsgeschwindigkeit des OneTouch Idols, nicht auf dem gleichen Level ist. Im Alltag sind die Unterschiede bei Weitem nicht so groß, wie die Benchmark-Ergebnisse vermuten ließen. Aufwändige Spiele wie Real Racing3 laufen, auch wenn nicht ganz so hübsch und weich wie etwa auf einem Nexus 4. Für die allermeisten Apps reicht die Leistung des OneTouch Idol aber aus.

Die DualSim-Variante verzichtet auf einen Micro-SD-Slot, verfügt aber über 16 Gigabyte internen Speicher, vom welchem über 12 Gigabyte für Apps und eigene Daten verwendet werden können.

Android Jelly Bean 4.1 ist wohl die beste Android-Version, die Google bislang auf den Markt gebracht hat. Erweitert man diese nun um nützliche Funktionen und hübscht es optisch gehörig auf, kann man sicher nichts falsch machen. Alcatels Anpassungen an Android sind vergleichsweise dezent, aber stylisch und konsequent. So hat man den Eindruck, als hätten die Entwickler bei jeder Anpassung des Systems den Nutzer im Hinterkopf gehabt. Und zwar nicht den Technik-Freak sondern eher einen jungen, stilbewussten User, der sich nicht all zu lange in ein Smartphone einarbeiten möchte und über eine solide Grundausstattung sehr dankbar wäre. So liefert Alcatel zahlreiche Apps mit: Virenscanner, Evernote, soziale Netzwerke, die bei Vieltippern beliebte Tastatur Swiftkey und, und, und. Nur selten gibt es Eingriffe in tiefere Schichten von Android, diese sind dann aber gelungen: beispielsweise kann man das Gerät bei eingehenden Anrufen durch bloßes Umdrehen verstummen lassen. Außerdem lässt sich bestimmen, ob und wann sich das OneTouch Idol in der Nacht ab- und am Morgen einschalten soll.

Kollege Micha von mobiflip.de hat mich auf folgende nette Funktion aufmerksam gemacht: legt man die flache Hand auf das Display, schaltet es sich ab und aktiviert die Tastensperre. Das funktionierte bei uns im Test prima und ist praktisch, wenn das Gerät auf dem Tisch liegt. Ansonsten eher weniger, weil man dafür beide Hände benötigt. Auch nett: eine optionale Akku-Prozent-Anzeige und ein Stromsparfunktion für die CPU.

Eine Quick-Boot-Option ermöglicht das extrem schnelle Hochfahren des OneTouch Idols. Wirklich gelungen sind die zahlreichen Schalter für GPS, Bluetooth, WiFi etc in der Benachrichtigungsleiste, denn hier mangelt es an Nichts. Diese “Quick-Toggles” konnte bislang kein Hersteller optisch so ansprechend umsetzen wie Alcatel.

Ansonsten spendiert Alcatel dem Idol einige nützliche Apps, wie etwa eine Antivir-Software, eine Cloud-Backup-App, Medienfreigabe (DLNA), On- und Offline Radio und so weiter.

Aber wenigstens an der Kamera wurde gespart, oder?

Nein, nicht wirklich. Zwar kann man keine Kamera wie bei 400€+ Flaggschiffen erwarten, doch die 8MP-Kamera des OneTouch Idol bietet erstaunlich viel. Die Fotos sind bei gutem Licht scharf und detailreich, die Kontraste stimmen und der automatische Weißabgleich sorgt meistens für natürliche Farben. Bei schlechtem Wetter neigt es aber zu einem leichten Lilastich. Wie bei Smartphones üblich, kommt es zu einem deutlichen Qualitätsverlust bei schlechtem Licht. Hier tritt das Rauschen verstärkt auf, die Schärfe lässt teilweise stark nach und auch die Farben sind nicht das, was das menschliche Auge sieht. Für Schnappschüsse taugt die Kamera aber dank der LED auch im Dunkeln. Insgesamt lässt sich die Bildqualität so zusammenfassen: bei gutem Licht hält es mit Handys wie dem Galaxy S3 einigermaßen mit, teilweise gelingen hervorragende Fotos. Im Dunkeln eher nicht. Für ein Handy dieser Preisklasse ist die Qualität aber weit über dem Durchschnitt.

Fast schon vorbildlich hat man die Menüsteuerung der Kamera umgesetzt. Die wichtigsten Funktionen sind schnell zu finden, und mit einem Wisch landet man in der Galerie um die Fotos zu betrachten. Was man von Jelly Bean schon kannte, hat man um weiter Funktionen wie HDR erweitert. Weil eine dedizierte Kamera-Taste fehlt, bedient man sich eines beliebten Tricks der Custom-ROM-Szene. So wird aus den Lautstärke-Tasten im Kamera-Modus einfach der Auslöser. Hält man diesen gedrückt, schießt das Alcatel OneTouch Idol eine Serienaufnahme.

Videos werden mit 1280×720 Pixeln aufgenommen. Während der Aufnahme lassen sich Fotos schießen und durch Antippen des Screens wird wahlweise manuell fokussiert. Die Qaulität hält allerdings nicht ganz mit den Fotos mit – es fehlt nämlich an Schärfe und die starke Kompression frisst zusätzlich Details. Für Monitore und dem Betrachten auf einem Smartphone-Display reicht es völlig aus. Wobei wir schon wieder beim nächsten Thema wären: Auch bei der Video-Aufnahme gibt es einige Extras, wie lustige Verzerreffekte oder einen Zeitraffermodus.

IPS i did it again

Setzt man beim kleinen Bruder OneTouch Star mittlerweile auf die beliebte AMOLED-Technik, verbaut man beim Idol wieder ein LCD-Screen. Genauer gesagt handelt es sich um ein 4.7 Zoll großes  IPS-Display mit qHD Auflösung (540 x 960 Pixel). Die Pixeldichte ist damit nicht die höchste, doch kann das Display dank Black Crystal Touch Panel mit starken Kontrasten und kräftigen Farben punkten. Außerdem ist die Qualität fast komplett unabhängig vom Betrachtungswinkel. Das IPS-Display weißt also eine Qualität auf, die man so sonst nur von LG kennt. Einzig die maximale Helligkeit des Bildschirms ist mittelmäßig. Trotzdem: für den Preis bekommt man derzeit kein Smartphone mit besserem Display!

Telefonie und Ausdauer

Dank Dual-SIM könnt ihr festlegen, welche SIM für welchen Zweck herhalten muss. Die eine für Telefonie, die andere für SMS, die erste wiederum für Internet… Das lässt sich alles ziemlich einfach und selbsterklärend einstellen.
Die Gesprächsqualitat ist auf dem heutigen Standard, dass gilt auch für die Akkuleistung. Bei recht intensiver Nutzung kamen wir gut über den Tag. Bei moderater Nutzung kommt man auch mal auf 1.5 bis zwei Tage.

Die Internetgeschwindigkeit konnten wir im Testzeitraum schlecht beurteilen, da das o2-Netz im Raum Stuttgart derzeit eine Katastrophe ist. Tendenziell ist es aber nicht schlechter als andere Smartphones heutzutage. Die maximale HSDPA-Geschwindigkeit stellt ohnehin kaum ein Provider zur Verfügung.

Fazit und Empfehlung

Solide Hardware? Check! Solide Software? Check! Solides Design? Check! Das Alcatel OneTouch Idol ist also ein gelungenes Gesamtpaket. Wer den 16GB großen Speicher erweitern oder gar den ausdauernden Akku austauschen möchte, muss aber zum kleineren OneTouch Star greifen. Auf NFC muss man ebenfalls verzichten. Alle anderen bekommen für wenig Geld mächtig viel geboten.

Eine empfehlenswerte Alternative wäre das LG Optimus L9, welches über eine ähnliche Hardware verfügt (zum verwechseln ähnliches Display). Zwar ist die Optik Geschmackssache,  aber hier dürfte bei den meisten eher das Idol punkten. Das Optimus L9 ist jedoch meistens ein gutes Stück teurer. Wer sich preislich nur ein wenig weiter nach oben orientieren kann, bekommt auch von Alctatel eine Alternative präsentiert: Das Idol Ultra ist noch dünner und verfügt über einen HD-Bildschirm. Wie sich das OneTouch Idol Ultra im Vergleich schlägt, erfahrt ihr demnächst bei morethanandroid.de.

Alternative: Alcatel OneTouch Star im Test

OneTouch Idol kaufen

22 Kommentare

  1. Vielen dank für den guten Testbericht! Ich suche ein dualsim Handy, da ich Grenzgänger bin.
    Alcatel, allein der Name lässt mich aus früheren Erinnerungen nicht an gute Handys denken. Aber dank eurem Testbericht bekommt man wohl kein besseres dualsim Handy, werde dem Alcatel auf jeden Fall mal eine Chance geben.

  2. Vielen dank für den guten Testbericht! Ich suche ein dualsim Handy, da ich Grenzgänger bin.
    Alcatel, allein der Name lässt mich aus früheren Erinnerungen nicht an gute Handys denken. Aber dank eurem Testbericht bekommt man wohl kein besseres dualsim Handy, werde dem Alcatel auf jeden Fall mal eine Chance geben.

    • Geht mir bei Alcatel genauso, denke wir stammen aus der selben Generation 🙂
      Wobei man anmerken muss, dass die Firma, die heute hinter Alcatel steht nur den Namen hat und ansonsten wenig mit Alcatel aus den 90ern gemeinsam hat…

      • Jg ’81 😉
        Das jetzt Chinesen hinter Alcatel stehen hab ich mitbekommen. Ich verstehe nur nicht warum man den Markennamen behalten hat…

        Ich würde mir wünschen die techblogs testen mehr solche Modelle, wie das idol oder star. Modelle abseits des Mainstreams… Huawei baut z.b. auch solide Handys. Testberichte gibt es wenige. Oder die Marke mobistel…

        • Wir versuchen eben auch die Handys abseits vom mainstream zu reviewen. Leider ist das immer so eine Kosten/Nutzen-Frage. Für ein sauberes Review braucht man so seine Zeit, außer man übernimmt, was überall sonst steht. Und leider werden solche Handys und die Tests dazu wenig beachtet.
          p.s.: Jahrgang 80

        • Wir versuchen eben auch die Handys abseits vom mainstream zu reviewen. Leider ist das immer so eine Kosten/Nutzen-Frage. Für ein sauberes Review braucht man so seine Zeit, außer man übernimmt, was überall sonst steht. Und leider werden solche Handys und die Tests dazu wenig beachtet.
          p.s.: Jahrgang 80

      • Jg '81 😉
        Das jetzt Chinesen hinter Alcatel stehen hab ich mitbekommen. Ich verstehe nur nicht warum man den Markennamen behalten hat…

        Ich würde mir wünschen die techblogs testen mehr solche Modelle, wie das idol oder star. Modelle abseits des Mainstreams… Huawei baut z.b. auch solide Handys. Testberichte gibt es wenige. Oder die Marke mobistel…

    • Geht mir bei Alcatel genauso, denke wir stammen aus der selben Generation 🙂
      Wobei man anmerken muss, dass die Firma, die heute hinter Alcatel steht nur den Namen hat und ansonsten wenig mit Alcatel aus den 90ern gemeinsam hat…

Deine Meinung zum Artikel?