Durch seine kompakte Bauweise und hochwertige Ausstattung präsentiert sich die Samsung Gear Fit 2 auf dem ersten Blick als perfektes Bindeglied zwischen ergonomisch geformten Fitnesstrackern und ausgewachsenen Smartwatches. Mit der Betonung auf „vermeintlich“, denn seit seiner Einführung kämpfen Käufer mit einem ziemlichen Ärgernis: nicht nur ein leerer Akku gehört zum Alltag vieler Besitzer einer Gear Fit 2, auch einige andere Ungereimtheiten trüben den aktivitätsbetonten Alltag. Vielleicht schwankst du zwischen einem einfachen Mi Fit Band und einer Galaxy Gear 3, möchtest den Kauf aber überdenken? Mein Fazit fällt zwar nicht plakativ eindeutig aus, kann dir aber vielleicht bei deiner Entscheidungsfindung helfen. Nebenbei verrate ich ein paar Gear Fit 2 Tricks.

Trotz mehrerer Updates empfinden viele Käufer die Akkulaufzeit der Gear Fit 2 als noch zu gering. Aber ist das angesichts der kompakten Bauweise überhaupt möglich? Erwarten wir mehr, als nach dem Stand der Technik möglich ist? Bevor die Flinte ins Korn geworfen wird, sollten wir einige Überlegungen anstellen und Tatsachen betrachten.

Auch wenn man es als Neubesitzer einer Gear Fit 2 kaum glauben mag, der Akku war zu Beginn noch wesentlich schlechter.

Wer wie ich zu den Käufern der ersten Stunde gehört, wird mir sicherlich beipflichten: eine große Enttäuschung machte sich zu Beginn breit. Die Akkulaufzeit war wirklich – freundlich ausgedrückt – äußerst bescheiden. Abends parallel zum Smartphone ein weiteres Gerät aufzuladen war sicherlich keine Aktivität, die ich gerne in meine Alltagsroutine mit aufgenommen habe. Dementsprechend habe ich die kurze Akkulaufzeit als das große Manko in meinem Review zur Gear Fit 2 empfunden. Mit jeder Aktualisierung, spätestens etwa mit der letzten verteilten Firmware (Version R360XXU1CQB1) im März ist dies aus meiner Sicht deutlich verbessert worden. Alle zwei Tage das Ladekabel an ein Laptop anschließen sind bei meiner nahezu unveränderten Nutzung nun drin, gegenüber Sommer letzten Jahres ein großer Sprung.

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Gear Fit 2 Alternative Mi Band 2
Das Xiaomi Mi Band brachte es auf gut vier Wochen, bis ich ein zweites Mal laden musste. Davon war ich mit der Gear Fit 2 meilenweit entfernt.

Ich mag kein Nougat!

Blöder Release-Zeitpunkt: die GF2 kam genau zwischen zwei Android Versionen heraus, als   Nougat seinen Vorgänger ablöste. Zunächst gab es mit dem Nexus 6P keinerlei Probleme unter Android Marshmallow, nach dem Firmware-Upgrade sah es aber dann ganz anders aus. Mein Leid darüber habe ich an anderer Stelle bereits geklagt, wer das Ganze nicht nachlesen möchte: man bekam/ bekommt die Gear Fit 2 mit einigen Umwegen unter Android 7.0 zum Laufen, Eleganz und Benutzerfreundlichkeit sucht(e) man bei diesem Prozedere aber vergeblich. Erfreulicher Nebeneffekt: die Pulsmessung kann man damit einem erhöhtem Stresstest unterziehen.

Wearable-Addition für Fortgeschrittene: wenn ich mir die Gear Fit 2 zulege, bekomme ich da nicht einen Fitnesstracker und eine Smartwatch gleichzeitig? Ja klar, äh nein, ich mein Jein!

Brauche ich einen Tracker oder eine Smartwatch? Das ist zumeist nicht nur eine Preisfrage, sondern sollte gut überlegt sein. Beide Arten haben ihre Vorteile und sind auf unterschiedliche Benutzer- bzw. Anforderungsprofile zugeschnitten. Ein unauffälliges Smartband (vom günstigen Mi Fit Band bis zum luxuriösen vivosmart 3 liegen dennoch Welten) ist aus meiner Sicht immer dann angezeigt, wenn man nicht ständig grafisch aufgearbeitete Daten und Meldungen braucht. Das wird dann von der App auf dem Smartphone erledigt. Ein meist einfaches Display zeigt die Uhrzeit, die Herzfrequenz und den Eingang von Benachrichtigungen etc. an. Auf (großartigen) Sound muss man derweil meist verzichten. Dafür kann man wiederum längere Akkulaufzeiten als bei einer Smartwatch erwarten. Die aus meiner Sicht jetzt schon legendäre erste Version des Mi Band habe ich meist nur alle vier Wochen aufgeladen. Vier bis fünf Tage sollten aber mit modernen Geräten wie der erwähnten vivosmart trotz permanenter Herzfrequenzmessung drin sein.

Gear Fit 2 Schlaftracking
Ich weiß, Hand- bzw. Arm-Model werde ich so schnell nicht mehr. Aber wenigstens kann ich offenbar beruhigt schlafen.

Ich kann alles, aber halt nicht ganz so gut!

Schlafanalyse, Herzfrequenzmessung, Schrittzähler und Erkennung diverser Workouts bzw. Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren oder Treppensteigen. Auf dem Papier klingt der Funktionsumfang phantastisch und lässt kaum Wünsche übrig. In der Realität klappt das aber nicht immer so, wie man sich das vorstellt. So haut das automatische Erfassen meiner ambitionierten Schwimmversuche (ich bin nicht gut, aber sehr ausdauernd) nur selten hin. Ganz falsche Werte bekommt man bei der „Messung“ von Etagen. Geht man morgens mehrmals kurz aus der warmen Wohnung auf den kühleren Balkon, so meldet sich die Gear Fit 2 mit einem „Gut gemacht, weiter so!“, weil sie fälschlicherweise meint, ich würde wie wild die Treppe rauf und runter rennen.

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Als weiteren Nachteil kann man auch die fehlende kontinuierliche Herzfrequenzüberwachung empfinden. Man kann im Intervall messen, mehr aber auch nicht. Aus meiner Sicht relativiert sich das aber mit der Zeit: nach neun Monaten habe ich kein Bedürfnis einen noch größeren Wust an Herzfrequenzdaten im Detail zu untersuchen. Die Wochenübersicht mit finaler/maximaler Anzeige reicht für meine Zwecke vollkommen aus. Bei Joggen etwa wäre aber eine kontinuierliche Messung sicher von Vorteil.

Die goldene Mitte: brauche ich wirklich jede Funktion?

Ganz ehrlich? Nein, definitiv nicht. Zu Beginn habe ich jede erdenkliche Funktion eingeschaltet und allen möglichen Apps Zugriff gewährt. Mittlerweile wähle ich sehr überlegt aus, welche Benachrichtigungen ich mir anzeigen lasse. Brauche ich wirklich immer eine (zusätzliche) Anzeige am Arm über den Eingang einer WhatsApp wenn ich sowieso mein Smartphone in der Hosentasche trage? Gerade die Google Dienste (Wetter, Standort, Google Photo) brauche ich mir nicht noch extra anzeigen zu lassen. Ebenso kann man eine Menge Akku sparen, wenn man die WLAN-Verbindung abschaltet. Ebenso kann man etwa bei Läufen oder beim Schwimmen auf Bluetooth verzichten, wenn man kein Smartphone dabei hat.

Große Sparpotential: verzichtet doch auf die AlwaysOn-Funktion des Displays! Ich schaffe es eigentlich immer durch einen (bösen) Blick die GF2-Anzeige einzuschalten. Die Helligkeit auf einen mittleren Wert eingestellt ist außer im grellen Licht die richtige Wahl, ist das Display in den allermeisten Situationen ausreichend hell und exzellent ablesbar.

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Abschließende Worte und Bemerkungen

Die oben erwähnten Kompromisse gehe ich ein und fühle mich dadurch nicht wesentlich eingeschränkt. Wer zu ähnlichen Überlegungen neigt, dem sei die Gear Fit 2 wärmstens empfohlen. Sie ist graziler als eine Smartwatch, weniger auffällig, verfügt aber oft über ähnliche Funktionen. An meinen dürren Popeye-Ärmchen sieht sie auch besser aus als etwa die neue Galaxy Gear3, kostet dafür nur knapp die Hälfte. Meinen kompletten Test zur Samsung Gear Fit2 gibt es hier.

Für wen sie nicht in Frage kommt? Für ambitionierte Läufer oder als ernsthaftes Tool zur Überwachung der eigenen Gesundheit! Die Galaxy Gear Fit2 ist eher ein Lifestyle-Produkt für müde Couch-Potatoes um den faulen Arsch hochzukriegen! Mich hat sie in ganz klassischer Weise motiviert öfters den inneren Schweinehund zu besiegen und beispielsweise noch 1000 Schritte („to go the extra mile“) mehr am Tag zu laufen.

  • es gibt zwei Größen: „S“ und „L“, wobei erstere für die allermeisten Menschen ausreichen dürfte. Es sei denn, Du hast ein Handgelenk so groß wie Vin Diesel.
  • der Verschluss öffnet sich in manchen „hektischen“ Situationen: im Mosh-Pit oder im Nahkampf empfehle ich dir die Gear Fit 2 vorher abzulegen.
  • das Display zerkratzt schnell: plane also gleich ein paar Euro hierfür ein.
  • schnell hinüber: das Plastik/Silikon altert sehr schnell, rechne mit Ersatz!

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