Im HTC One Mini Test klären wir, ob der kleinere Ableger des 2013er Flagschiffes gegen das Samsung Galaxy S4 Mini  im Kampf um die Krone im „Mini-versum“ eine Chance hat.

Noch im letzten Jahr veröffentlichte HTC zahlreiche Smartphones, die Flaggschiffe setzten dabei allesamt auf einen Unibody aus Polycarbonat. Der taiwanesische Hersteller bewies, dass auch Plastik gut aussehen kann. Doch der Erfolg blieb leider aus. Man werfe zu viele Smartphones auf den Markt hieß es, man würde zu wenig Neues bieten, die Benennung der Telefone sei verwirrend.

Dieses Jahr versuchte man auf die vielen Experten im Netz zu hören und veröffentlichte deutlich weniger Smartphones und vereinfachte zudem die Namensgebung. Außerdem hörte man auf die Samsung-Kritiker, welche alle höherwertige Materialien forderten. Nun setzt man auf Metall, aber so richtig fruchten konnte der Strategiewechsel bislang nicht, denn man verliert weiter Marktanteile.
Das HTC One Mini ist nun fundamentaler Bestandteil dieser Strategie, schließlich ist es der bislang einzige Ableger des diesjährigen Flaggschiffs. Ob das reicht um wieder Fuß zu fassen wollen wir hier nicht prognostizieren, ob das HTC One Mini ein gutes Smartphone ist aber können wir mit diesem Testbericht indes schon.

HTC One Slim statt Mini?

Auf den ersten Blick fragt man sich was an dem One Mini nun mini sei. Schließlich ist das Gerät nur unwesentlich kürzer als der große Bruder und in etwa so lang wie große Flaggschiffe andere Hersteller (LG Optimus G, Samsung Galaxy S3/4). Dass das Gerät in der Hand trotzdem einen kleineren Eindruck macht, liegt an der schlanken Bauweise.
Denn das auf der Rückseite ergonomisch gewölbte Gerät ist weniger breit als andere, wodurch man das Smartphone besser bedienen kann. Mit dem Daumen lässt sich jede Ecke des 4.3 Zoll Display problemlos erreichen, dass das Gehäuse zwecks des zweiten Lautsprechers auf der Front nach oben hin etwas länger wird als üblich, spielt bei der Handhabung also keine Rolle.
Aluminium – das Material des heiligen Grals der Netzgemeinde
Ich weiß nicht ob ihr es schon wusstet, aber HTC war seit jeher dafür bekannt, bei seinen Mittelklasse- und High-End Smartphones auf Metall zu setzen. Selbst im Jahr 2011, als HTC aus der Königsklasse der Smartphones abstieg, setzte man fast ausschließlich auf das hoch gehandelte Material. Aber auch das letztjährige Polycarbonat kam gut an – HTC liefert eben eine gute Qualität, egal mit welchem Material. Doch warum im Jahr 2013 auf einmal das Material Metall zum Retter des angekratzten Herstellers auserkoren wurde, bleibt mir ein Rätsel. Nun denn, wie zuvor dem HTC One steht auch dem kleinen Bruder das “neue” Gewand. Allerdings besteht der Rahmen nun aus Plastik, lediglich die Abdeckung der Frontlautsprecher und die Rückseite bestehen aus Aluminium. Mir gefällt die Mischung sehr gut, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass man die Kanten an den Seiten mehr abrundet. Das fühlte sich beim letztjährigen HTC One S (hey– das bestand ja auch aus Metall!) deutlich besser an. Insgesamt zählt das Smartphone sicher zu den hübscheren Vertretern, auch wenn es mir zu langezogen wirkt.

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Audiovisueller Hochgenuss

Für diesen optischen Makel sind die beiden Lautsprecher verantwortlich. Andererseits haben diese es wirklich in sich. Anders als bei fast allen anderen Smartphones kommt der Sound direkt auf einen zu, und muss keine Umwege über die Rückseite nehmen. Außerdem handelt es sich um Stereo-Lautsprecher. Dadurch, dass sie relativ weit auseinander liegen, kommt der Stereoeffekt gut zur Geltung. Der Sound wirkt viel räumlicher und kräftiger als bei anderen Handys und lässt sogar viele Notebook Lautsprecher weit hinter sich. Für mich ist das der Schritt in die richtige Richtung, denn auf immer pompösere Specs zu setzen macht wenig Sinn. So zeigt dieser HTC One Mini Test eindrucksvoll auf, das man allmählich das Ende der Fahnenstange in Sachen Displayqualität erreicht hat. Denn das 4.3 Zoll Display löst mit mehr als ausreichenden 720 x 1280 Pixeln auf und ist damit sehr scharf. Die Farben sind ähnlich kräftig wie sonst bei SAMOLED Technik, ohne dabei übersättigt zu wirken. Auch Helligkeit und Kontrast überzeugen. Vor allem die Blickwinkelstabilität übertrumpft sonstige LCDs um Längen. HTC beweist also, dass man nicht zwangsläufig auf Full HD setzen muss um ein hervorragendes Display zu kreieren.
Der Stereo Boomsound und das Display machen das Filmeschauen, Musikhören oder das Spielezocken zum audiovisuellen Hochgenuss.

Mini Performance?

Ob für letzteres die Prozessorleistung ausreicht oder die Spiele nur am Ruckeln sind klären wir nach einem Blick auf die Hardware-Spezifikationen:

Display:
4,3 Zoll 720p Super LCD 2 Display
Pixeldichte: 342 ppi
Corning Gorilla Glass 3
Prozessor & Co:
SoC: Qualcomm Snapdragon 400
1.4 Ghz Dualcore kRait CPU
Adreno 305 GPU
HSDPA + LTE
Bluetooth 4.0
FM Radio
GPS und GLONASS
Speicher:
16 GB
USB OTG Support
4.7 GB verfügbar
1 GB RAM
Kamera:
1.6 MP Frontkamera
4 Megapixel Hauptkamera
⅓ “ Sensor
HTC Zoe
HDR
Software und Features:
Android 4.2.2
Sense 5
Blinkfeed
Kindermodus
Akku:
1800 mAh
nicht wechselbar
Design:
132 x 63.2 x 9.3 mm
122 g
Alu-Rückseite/Kunststoffrahmen

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Zwar werkeln nur noch zwei Kerne im Inneren des HTC One Mini, diese basieren aber auf der Krait-Architektur, welche letztes Jahr bereits im One S manch QuadCore-CPU alt aussehen ließen. Doch dieses Jahr muss man eine höhere Auflösung bewältigen – zudem werden Spiele auch immer aufwändiger. Keine Sorge, für die allermeisten Games reicht es noch locker aus. Allerdings gibt es jetzt bereits Spiele (Modern Combat 3 zum Beispiel), welche das One Mini ins Schwitzen bringen. Im direkten Vergleich mit dem S4 Mini muss man allerdings recht eindeutig den Kürzeren ziehen. 300 MHz und ein halbes GB RAM mehr machen den Unterschied, zumal das Samsung Pendant eine niedrigere Auflösung berechnen muss (siehe Benchmark-Vergleich). Dank des besseren Displays und des superben Sounds ist das One Mini derzeit trotzdem das bessere Gaming-Device, was sich aber in Zukunft mit den stetig ansteigenden Hardware-Anforderungen der Spiele ändern könnte. Für den Preis, den HTC momentan abruft, hätte man aber etwas mehr erwarten können.
Was für das Gaming gilt, gilt nicht für sonstige Aktivitäten. Im Alltag liefert das HTC One Mini eine solide Performance ab. Der Blinkfeed läuft schön flüssig, das Starten von Apps findet zügig statt, und auch das Surfen macht auf dem schlanken Gerät Laune. Hier und da kommt es zu minimalen Rucklern, welche aber kaum auffallen.

Mini Auflösung – genau das Richtige für das One Mini

HTC führte beim HTC One ihre Ultrapixel-Kamera ein, welche im Grunde ein größerer Sensor ist, auf dem jeder einzelne Pixel mehr Platz hat. Dadurch verspricht man sich eine höhere Lichtstärke und vermindertes Rauschen. Die Technik ging auf, so überzeugte die Kamera vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen. Allerdings ist die Auflösung eben nur auf 4 Megapixel beschränkt, bei guten Lichtverhältnissen hatte man also gegen andere Flaggschiffe keine Chance.
Während ich das Ganze in Zeiten von optischen Bildstabilisatoren, Zoom und dergleichen für zu wenig für ein Vorzeigesmartphone eines Unternehmens halte, ist das genau das Richtige für eine günstigere Variante wie dem One Mini. Die Ultrapixeltechnik kommt auch hier voll zur Geltung, im direkten Vergleich mit der 13 Megapixel Kamera des LG Optimus G macht das One Mini fast immer das bessere Bild.

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Lediglich beim nachträglichen Heranzoomen erkennt man im Vergleich fehlende Details. Das finde ich weniger tragisch wenn man im Gegenzug beim Dynamikumfang, automatischen Weißabgleich, Schärfe und Kontrast punkten kann. Und seien wir doch mal ganz ehrlich, wie oft druckt man schon Smartphone-Fotos auf DIN A4 oder größer?
Auch die Videos profitieren vom hervorragenden Sensor, wenngleich sie mangels Stabilisator zu Wacklern neigen.

Sense 5 rockt!

Seit einer ganzen Weile hat sich bei Android nicht viel getan. HTC hingegen hat mit dem One alles umgekrämpelt und seine als überladen verschriehene Sense-Oberfläche einer Frischzellenkur unterzogen. Der HTC Blinkfeed begrüßt einen sobald man das Display entsperrt. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung aktueller Inhalte aus Facebook, Twitter und favorisierten Internetmedien. Von Politik bis Sport ist alles dabei, sogar einige Android-Seiten findet man in der Auswahl wieder (uns leider nicht, obwohl wir hier mit Abstand den weltbesten Testbericht über das HTC One Mini abliefern ;))

Als weiteres Highlight findet man auch im One Mini HTC Zoe vor. Das sind Fotos, die eigentlich wenige Sekunden lange Videos sind. Die Album-App sortiert die Fotos und Videos automatisch nach Tag und Ort und erstellt zu jedem Tag einen 30 sekündigen Highlieght-Videoclip. Diesen könnt ihr nachträglich in der Auswahl der Fotos und Videos beeinflussen und auch eines der zahlreichen Bildstile vorgeben. Anschließend könnte ihr die Clips bequem mit Freunden oder der ganzen Welt teilen.
Der Kindermodus ist auch gut gelungen. Dadurch ist es möglich seinen Kleinen eine vereinfachte und auf ausgewählte Inhalte beschränkte Software vorzugeben. Dank der Sprachbegleitung sollten Kids die Bedienung schnell erlernen. Zusätzlich zu den vom Elternteil ausgewählten Apps gibt es auch ein paar mehr oder weniger pädagogisch ausgwehälte Kindersendungen zu betrachten. Wer schlaue Kids hat und eine PIN-Sicherung benötigt, muss allerdings für einen Premiumdienst blechen.

Fazit im HTC One Mini Test

Auch wenn das Smartphone nicht wirklich mini ist und die Ausstattung in der Preisklasse ein wenig zu wünschen übrig lässt (kleiner Arbeitsspeicher, kein NFC…), ist das HTC One Mini einer mehr als gelungenen Schrumpfkur unterzogen worden. HTC ist eine ausgewogene Mischung aus Style, Funktionalität und Qualität geglückt, die mir insgesamt noch einen ticken besser gefällt als das Samsung Galaxy S4 Mini.

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