Noch ein iPhone 6 Test? Und dann auch noch so verspätet? Wer momentan mit einem Umstieg von Android auf iOS 8 liebäugelt sollte sich diesen Erfahrungsbericht zu Gemüte ziehen. Alle anderen haben ja bereits ein Gerät oder eine vorgefertigte Meinung zum Thema. Wer ein komplettes Abfeiern von Apple erwartet oder auch ein entsprechendes iPhone 6-Bashing, seid gewarnt, ihr könnt euch diesen Artikel komplett sparen. Es wird hier auch sehr viel um Android gehen, meinen Weg hin und auch wieder zurück.

Vorweg

Diesen iPhone 6 Test habe ich mit folgenden Prämissen im Hinterkopf geschrieben: das iPhone 6 und iOS 8 sind in all ihren Facetten bereits zu Genüge beschrieben worden. Eine Aufzählung sattsam bekannter Fakten erspare ich mir und verweise auf die unzähligen Testberichte und Artikel an anderer Stelle. Stattdessen beschränke ich mich auf die mir wichtigen Faktoren, auf die Dinge, die mich nach den Jahren mit Android zu einem Wechsel bewogen haben.

Seit vielen Jahren nutze ich Android-Smartphones, wobei Nutzen ein wenig untertrieben ist und nicht ganz das passende Wort zu sein scheint: es ist eine maßlose Untertreibung. Wie viele andere User auch bin dem Versprechen nach größerer Freiheit auf den Grund gegangen und habe tiefer in die Android-Welt geblickt als wahrscheinlich je einem durchschnittlichen Apple-Nutzer in den Sinn käme. Mal mehr, mal weniger freiwillig habe ich das OS meines jeweils aktuellen Android-Smartphones auseinander genommen.

Rückblick: wie meine Android-Geschichte begann

Klar, Root und Recovery gehören zum guten Ton, und weil es damals so verdammt viel einfacher und ungefährlicher schien als der Jailbreak auf dem iPhone 3GS, habe ich gleich mein erstes Android-Exemplar, das HTC Desire HD, entsprechend modifiziert. Wie geil war das doch, das komplette Betriebssystem austauschen und bei Bedarf wieder auf die Original-Firmware zurückkehren zu können. Es waren naive Jahre, und ja, sie waren auch gut.

Zwar nicht “My first Sony” aber eben mein erster Android. Gute Zeit, lange her.

Jetzt habe ich einerseits in der Hinsicht weder eine besonders prägende Sozialisation oder einen ausgesprochen technik-affinen Beruf ergriffen, bin aber mit einem überdurchschnittlich starken Durchhaltewillen sowie reichlich Neugier ausgestattet – Mitmenschen die mich kennen, würden aber auch meine Sturheit und mein dünnes Nervenköstum in Bezug auf Technologie anmerken – und kann mich richtig festbeißen und Dingen auf den Grund gehen. Der Weg war dementsprechend vorgezeichnet und so haben in der Vergangenheit so mache ROMs und Addons aus unserer und meiner Feder hier bei mrmad.de den Weg in die Android-Community gefunden. Wir wurden reich und berühmt. Sexy und charmant waren wir ja schon immer. Und dann wachte ich schweißgebadet auf.
Wie angedeutet, war der Weggang von Apple und weit, weit weg vom verfluchten iPhone 3GS eine Befreiung, wofür ich einige unschöne Dinge in Kauf nahm: war etwas noch nicht so wie ich es wollte, bildete ich mir ein dank der in Android innewohnenden Linux-Freiheit (ein Witz, wenn man sich näher damit beschäftigt) selbst Hand am System anlegen zu können. Und wo wir gerade beim Adjektiv “schön” bzw. “unschön” sind. Dass das Desire HD und seine bald eintrudelnden Nachfolger optisch nicht ganz an das Apple-Vorbild reichten, das wurde geflissentlich totgeschwiegen.

Wahrscheinlich hätte ich vor ein, zwei Jahren auch so ähnlich über das Iphone 6 geurteilt: “Das sieht jetzt ja aus wie ein beliebiges Android-Smartphone, was sollen die optischen Streifen auf der Rückseite und Blablabla”.

Und das ist doch der Punkt: mir sagt es zu, dass das iPhone 6 jetzt auch als Samsung-Prototyp im Metallic-Kleid durchgehen könnte. Das kantige Design vom iPhone 5 ist nicht so mein Ding. Sind meine Hände eckig? Nehme ich lieber einen Kieselstein oder einen sperrigen Schraubenschlüssel in die Hand?
 iphone-6-Silicon-Case

Die Jungs und Mädels aus Cupertino haben es mir und wahrscheinlich zahlreichen anderen Käufern dieses Jahr besonders einfach gemacht und wieder ein zeitlos schönes Design hervorgezaubert, das sich im rechten Maß an den Zeitgeist anbiedert. Gepaart mit der Aufgabe des unsäglichen Steve Jobs-Dogma von kleinen Displaydiagonalen haben wir endlich iPhones in üblichen Größen. 4,7 Zoll sind hierbei der sprichwörtlich kleinste gemeinsame Nenner, da bei Android der Gegentrend zu kleineren, aber dennoch luxuriös ausgestatteten Smartphones geht (man denke an das Sony Xperia Z3 Compact oder das Samsung Galaxy Alpha). Die einen Schrumpfen, die anderen Vergrößern sich. Zwei Seiten einer Medaille. Und um auf den Phablet-Hype reagieren zu können, schiebt Apple dieses Jahr mit dem iPhone 6 Plus ein 5,5 Zoll-Modell in gigantischen Dimensionen hinterher, das mir persönlich aufgrund der großen Ausmaße zu viel ist: aus den überschüssigen Material oder-und unterhalb des Displays hätte Samsung noch ein Galaxy Mini gezaubert. Das es auch anders geht, bewies LG mit dem G2 und G3: üppiges Display, ohne überdimensioniert und sperrig zu wirken. Da ist bei Apple in den kommenden Jahren sicher noch Raum für Verbesserungen gegeben.

Hiermit wären wir in Punkto Design und Verarbeitung auch bei den Alternativen im Android-Lager: Sonys Miniflitzer dürfte mit seinem sehr eigenständigen und kantigen Design einen Nerv bei jenen treffen, die dem iPhone 5S hinterher trauern, sofern für sie ein Wechsel überhaupt in Betracht kommt. LG G3 für alle, die ein bisschen mehr haben wollen, das Alpha für die Samsung-Fraktion und last but not least HTCs One M8 – bereits ein paar Monate alt, aber in Punkto Design und Verarbeitung wahrscheinlich immer noch mit den größten Ähnlichkeiten zu den iPhone-Modellen.
Persönlich habe ich seit den Tagen des ersten HTC One kein so Aha-Erlebnis mehr bei einem Smartphone gehabt: hier geben sich Design, Formfaktor, Materialien und Verbreitung ein perfektes Stelldichein. Selten hat die oft bemühte Formulierung “aus einem Guß” so gut gepasst wie beim iPhone 6, bei der größeren Plus-Variante gilt das aus meiner Sicht nur mit Einschränkungen, da es ein wenig zu klobig geraten ist. Das iPhone 6 sieht auf Bildern und in Videos gut aus, in der Realität, d.h. in der Hand, wird dieser Umstand durch die Haptik mehrfach potenziert. Das wurde zwar oft gesagt und geschrieben, bleibt aber Fakt. Im Endeffekt überrascht es sicher nicht sonderlich, dass für mich das iPhone 6 mit seinem endlich vernünftig dimensionierten 4,7 Zoll Display die Nase vorne hat. Die restlichen Werte, sprich Haptik, Optik, Materialwahl und Verarbeitung sprechen für sich. Für mich kann da kein Android-Smartphone mithalten.

Display – wie gedruckt

Zwar hätte ich vom Galaxy S5 kommend ein wenig mehr Bildschirmdiagonale verkraften können – 5,1 Zoll empfand ich als sehr angenehm – ich kann aber damit leben. Überhaupt nicht jucken tut mit im Übrigen die Auflösung von nur 1334× 750 Pixeln, was einer Pixeldichte von lediglich 326 PPI entspricht. Zum Vergleich: das S5 kommt auf 432 PPI, andere Androiden haben vom Papier her wesentlich mehr zu bieten. Aber Papier ist ja bekanntlich geduldig und das Auge isst mit. Oft ertappe ich mich dabei einen iOS 8 Homescreen zu betrachten und zu denken, da klebt noch eine aufgedruckte Schutzfolie mit bunten Icons drauf, wie man sie in manchen Verkaufsräumen findet, wenn die Smartphones ausgeschaltet bleiben. Höchst subjektiv, wird aber vielerorts durch objektivierbare Testverfahren bestätigt – ihr kennt sie zu diesem Zeitpunkt zu genüge. Jenseits der nackten Fakten und Zahlen die man als Technik-Junkie eiligst hervorkramen kann (QHD, OLED, Schwarzwert usw.), ist das Zusammenspiel sämtlicher Komponenten für das, was hinterher rauskommt wesentlich wichtiger. Lässt sich aber eben sprachlich nicht so leicht auf eine griffige Formel reduzieren, von daher wird mein subjektiver Eindruck die Schwanzvergleichs-Fraktion nicht überzeugen können. Bleibt festzuhalten, dass das iPhone 6 Display meinen Ansprüchen und Sehgewohnheiten genügt: Helligkeit, Kontrast, Blickwinkelstabilität und dergleichen stellen mich mehr als zufrieden. Wer mehr will, v.a. das beruhigende Gefühl mehr Technik erworben zu haben, greift hier halt zu einem Smartphone mit 1080p oder eben 2K-Auflösung. Wie heißt es schön: andere Mütter haben auch schöne Töchter.

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iOS 8 oder die vermeintliche Achilles-Ferse für den Umstieg

Zum guten Display-Eindruck trägt eine Tatsache bei, die man, so offensichtlich und naheliegend sie auch sein mag, nicht vernachlässigen sollte: die Optik des verwendeten Betriebssystems. Ein kleines Beispiel, mal wieder höchst subjektiv: ich hatte seinerzeit das LG G2 als Testgerät sowie kurze – ganz, ganz kurze– Zeit als privates Gerät da. So toll das Display auch sein mag, was für den Nachfolger mit seiner 2.560 x 1.440 Pixeln Auflösung umso mehr gilt, mit der Optik der LG UI wurde ich einfach nicht warm. Wenn man eine UI gefunden hat, die das eigene Auge erfreut, trägt sie zum Gesamteindruck bei. Man darf ruhig auch das Wort verfälschen in den Mund nehmen. Ich kann ein technisch einwandfreies Bild aufnehmen, wenn es aber hässlich ist (schrecklicher Unfall, blue waffle, Meisterschaftsfeier des FC Bayern auf dem Marienplatz) werde ich ganz einfach wegschauen.
Apple weiß nun einmal wie man einen guten Eindruck macht. Welch Allgemeinplatz, es stimmt aber auch 2014 nach wie vor. Zumal man mit iOS 8 die letztjährigen Neuerungen kontinuierlich weiterentwickelt hat, die mir bereits beim iPhone 5C den Wechsel schmackhaft gemacht hatten. Zwar ist wo Apple draufsteht nach wie vor kein Android drin, ein wenig dreist abgekupfert hat man bei Google, Samsung und Co aber schon. Das ist sattsam bekannt: Wischgesten, so etwas wie angedeutete Widgets in der Mitteilungszentrale oder Toggles und Shortcuts sind auch in der Apple-Welt angekommen. Gmail oder WhatsApp-Nachrichten auf dem Lockscreen finde ich tolll und hätte ich furchtbar vermisst. Wische ich von ganz oben in die Mitte des Displays bekomme ich je nach App wichtige Ereignisse, das Wetter oder Nachrichten angezeigt. Hoffe, da kommt in den nächsten Monaten mehr.

Schön ruhig hier

Nach den ganzen Widgets, Shortcuts, Toggles und alternativen Launchern ein herber Bruch. Soll ich aber ehrlich sein? Ich genieße den offensichtlichen Mangel, die Alternativlosigkeit und Geradlinigkeit. Das ist Wellness für meine Seele und Balsam für mein gebeuteltes Nervenköstum. Nach all den stressigen Monaten beim ROM-Bauen für das Galaxy S4 (Samy Deluxe S4 ROM lässt grüßen) eine wahre Wohltat. Statt tausend Alternativen, von denen das Groß nie konsequent zu Ende gedacht wird, bietet iOS 8 meist nur eine, dafür aber schörkellose und geradlinige, Herangehensweise eine anstehende Aufgabe zu lösen.

Traurig aber wahr, wenn man dem Ursprungsmythos von Android glauben schenken mag, mittlerweile ist iOS 8 in seiner Straffheit wie ein guter alter 2 Minuten-Ramones-Song, während das typische Android-Smartphone eine 70er Jahre Progressive/Art/Krautrock-Kakophanie veranstaltet.

Könnten Hipster also in Wahrheit doch cool sein? Ich habe in den letzten Jahren in der Android-Welt Abgründe gesehen, von denen ich mich in Zukunft erholen möchte. Wer mitkriegt, mit welch sinnentleerter Manie Kreativität und Lebenszeit in aberwitzigen Details (Beispiel aus einem Kommentar zur Samy Deluxe ROM:”Wie tausche ich das LTE-Icon gegen ein 4G-Bildchen um? Das geht nicht? Deine ROM ist Schrott. Fc D*ch, Du He*sn!”) verschwendet wird, weiß, dass die besten Zeiten hinter der Android-Community liegen. Mir ist klar, dass man diesen Dreck bei Apple genauso findet und man auch bei Android dieser ganzen Geschichte aus dem Weg gehen kann. Die Versuchung war aber für mich zu groß, ich steckte zu tief drin und musste mit einem großen Schritt meinen Ankündigungen drastische Konsequenzen folgen lassen.
Eine feine Sache: hat man ein weiteres einigermaßen aktuelles Apple-Gerät (iOS 8 und OSX Yosemite vorausgesetzt) kommt mit Handoff, Continuity und co ein großer Mehrwert hinzu. Der Wechsel bzw. nahtlose Übergang zwischen Smartphone, Tablet einerseits (iOS 8) sowie Macbook oder iMac andererseits ist nun Wirklichkeit. Eine Nachricht schnell am Macbook getippt, weil man da gerade sitzt und Recherche betreibt (studentswithgiantboobs.com) anstatt das Smartphone herzuholen, ist nun kein Problem. Ein seit Jahren von mir vermisstes Feature. Trotzdem: das sind nette Dreingaben und Zusatzoptionen, die aber die Anschaffung eines Apple-Ökosystems per se nicht rechtfertigen.

Was mich an iOS 8 immer noch stört

Es gibt leider nach wie vor eine ganze Reihe kleinerer und größerer Dinge, die mich an Apple und iOS 8 stören. Es sind aber Dinge, die sattsam bekannt sind, mich daher nicht sonderlich überraschen und mit denen ich auskommen muss.
Auch wenn iTunes zuverlässig arbeitet: ohne geht es nicht (zumindest auf dem vorgesehenen Weg) und das nervt mich. Die Screenshots mal eben per USB auf den Rechner ziehen? Nein, das geht nicht! Ich muss mir etwa mit Dropbox aus der Patsche helfen und umständlich die Bilder auf einen Server hoch- (was ist wenn ich sensible Aufnahmen gemacht hätte?) und wieder zurück auf den Computer herunterladen. Da lob ich mir Android, auch wenn es mich zur Zeit nervt!
Der Gipfel der Lächerlichkeit wird für mich nach wie vor beim Thema Klingeltöne erreicht: Ich dachte, Apple-User wären große Individualisten. Wie passt das mit der Tatsache zusammen, dass ich meinen Lieblingssong nicht als Klingelton einstellen kann? Ich weiß, dass geht über Umwege. Über Umwege– das sagt schon Alles!

Mein ganz persönliches Pro und Kontra iOS 8

Positiv

  • Intuitive und schörkellose BedienungMitteilungs- und Benachrichtigungszentrum
  • Toggles für häufige verwendete Funktionen (etwa WLAN an/aus)
  • Wischgesten
  • beinahe konsistente Designsprache

Negativ

  • geschlossenes System, das nach wie vor kaum Abweichungen erlaubtKleinigkeiten wie Klingeltöne oder
  • Bilder in der Kontaktlisten-App nicht vorhanden
  • iTunes-Zwang zwecks Synchronisation (außer man folgt einem Workaround mit 56 Schritten usw…)
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Kamera

Ja, die Kamera hat nur 8 Megapixel und in Vergleich etwa zum Galaxy S5 auch wenig Einstellmöglichkeiten. Wißt ihr schon? Wusste ich schon und juckt mich irgendwie auch nicht die Bohne. Ich habe in Bezug auf Smartphones und deren Kamera-Linsen nur durchschnittliche Ansprüche. Klar, ein ganz mieses Exemplar käme für mich nicht in Betracht und bedenkt man, dass die Anschaffung eines Oberklasse-Smartphones nicht gerade billig ist, erwartet man schon etwas. Trotz allem sind diese Erwartungen in der Regel maßlos überzogen und so suchen viele Hersteller die Flucht in immer höheren Spezifikationen: mehr Pixel bedeutet bei Otto-Normalverbraucher immer noch (leider!) automatisch bessere Aufnahmen. Zumindest taugen 20 Megapixel und mehr als Rechtfertigung für eine teure und letztlich in den meisten Fällen überflüssige, weil nicht existenzielle Investition in ein neues Smartphone. Ich bin sehr froh, dass Apple hier den umgekehrten Weg geht. Immer noch 8 Megapixel, aber rundum verbessert gegenüber den Vorgängern ist die Kamera eine feine Sache. Hier verhält es sich ähnlich wie beim Display. Was die technischen Eckdaten nicht hergeben, vermag am Ende in der Realität dann doch zu überzeugen. Schade eigentlich, dass Apple den optischen Bildstabilisator nur in der größeren iPhone 6 Plus-Variante verbaut. Warum, kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn der Aufpreis hält sich ja bekanntlich in Grenzen – jeweils 100 Euro mehr kostet das größere iPhone bei gleicher Speicherausstattung.
Im Vergleich zum letztjährigen iOS 7 hat sich beim Thema Kamera aber dann doch so manches feine neue Detail eingeschlichen. So werden Videos mit 60 Bildern pro Sekunde im FullHD-Modus aufgenommen, Zeitlupen nun mit bis zu 240 Bildern, wohingegen etwa beim iPhone 5s bei 120 Einzelbildern Schluss war. Schade, dass man die so aufgenommenen Videos nicht einfach exportieren kann – ein kleiner Bruch in der ansonsten weitestgehend vorbildlich einfachen Handhabung. Aber eben kein Beinbruch. Es gibt zwei Möglichkeiten: Ihr öffnet das Video in einem Videoeditor, lasst in diesem die gewünschte Szene langsam ablaufen lassen und exportiert nun das Slowmo-Video. Noch einfacher geht es direkt aus der Foto-App heraus zu etwa YouTube oder Facebook.

Neu bzw. deutlich verbessert sind etwa folgende Dinge

  • Belichtungskontrolle
  • Bildstabilisator
  • Neuer Autofokus
  • Zeitraffer-Videos
  • Super SlowMotion

Die beiden nachfolgenden Videos demonstrieren ganz gut, was der neue bzw. verbesserte Videomodus zu Leisten im Stande ist. Lasst euch von den behaarten Beinen im zweiten Video nicht abschrecken. Obwohl, es soll ja Leute geben, die auf so etwas stehen.

Akku – besser als erwartet, aber keine Paradedisziplin!

Das Thema Akku hatte mich im Vorfeld ziemlich abgeschreckt, denn die Kapazität ist bei iPhone 6 nominell recht begrenzt. Gerade einmal 1810 mAh bringt Apple im schmalen Gehäuse unter – da bin ich von Android kommend schon wesentlich mehr gewohnt. Ich komme soweit aber erstaunlich gut zurecht, was vor allem darin liegt, dass ich mir eine gewisse Genügsamkeit antrainiert habe und genau darauf schaue, welche Apps und Dienste denn wirklich existentiell nötig sind. Brauche ich WLAN und Bluetooth permanent rund um die Uhr eingeschaltet? Nein, also schnell mit einer Wischgeste abgeschaltet. Muss jede Popel-App mir “wichtige” Mitteilungen zukommen lassen und sich im Hintergrund selbständig aktualisieren? Nein, also heißt es für mich regelmäßig unter den Einstellungen die Apps zu kontrollieren. Ich finde das bei iOS 8 recht gut gelöst, weil ich für jede einzelne App individuelle Einstellungen vornehmen kann. Vielleicht ist das für den ein oder anderen Nutzer ein wenig mühselig, aber die Arbeit lohnt sich definitiv. Längere Akkulaufzeiten sind damit garantiert. Wer natürlich mit voll aufgedrehten Helligkeitseinstellungen in der U-Bahn Videos streamt, parallel ein Dutzend Email-Konten und Soziale Netzwerk-Accounts synchronisiert, dazu gerne einmal eine Runde auf dem iPhone zockt, hat ein anderes Nutzverhalten und ergo höhere Ansprüche an die Akkulaufzeit. Das war vor allzu langer Zeit auch bei mir in ähnlicher Form der Fall. Alternative: Deutlich mehr Kapazität (2915 mAh) bietet das iPhone 6 Plus, es muss aber auch ein deutlich größeres Display mit Strom beliefern, wahrscheinlich greifen Power-User aber eh zum großen Bruder.
Insgesamt würde ich die Akkulaufzeit für meine Belange als völlig ausreichend bezeichnen – eine heftige Duftmarke wie etwa seinerzeit das LG G2 oder das erste Motorola Moto X (tolles, aber unterschätztes Allsound-Gerät) kann der iPhone 6-Akku für mich nicht setzen. In dieser Hinsicht gibt es also genug Alternativen die man unbedingt im Auge behalten sollte.

Warum ich das Thema Performance (weitestgehend) ausklammere

Ihr werdet hier keine Benchmark-Tests finden, kein Gejammer über die niedrigen technischen Eckdaten des iPhone 6, wie wenig Arbeitsspeicher (nur 1 GB) Apple seinen neuen Geräten spendiert hat und das DualCore-Prozessoren in einem Smartphone des Jahres 2014 lächerlich anmuten.
Solange diese Kombination eine für den Alltag absolut ausreichende Performance abliefert, müssen sich andere Hersteller die Frage gefallen lassen, was in aller Welt sie eigentlich mit der üppigen Ausstattung anstellen.

Warum sollte ich von Android zu iOS wechseln?

Stellt euch für einen Moment vor, ihr könntet neben euch stehen und dabei beobachten wie ihr den Entschluss fasst, nach all den Jahren im Android-Kosmos ein iPhone 6 anzuschaffen. Ihr würdet verdutzt und ungläubig den Kopf schütteln. Tatsächlich geht es mir in letzter Zeit so: ich kann es irgendwie nicht wirklich fassen, aber es ist tatsächlich passiert. Die Gründe sind, soweit ich sie im ersten Abschnitt nicht bereits angedeutet habe, in meiner wachsenden Abneigung gegenüber der Android-Welt zu suchen. Irgendwie läuft gewaltig etwas schief und ich habe ein wenig die Hoffnung aufgegeben, dass sich in absehbarer Zeit Änderungen ergeben. Das liegt zum einen an den Herstellern, andererseits auch an den Nutzern. So Ich bin es einfach leid, ewig und drei Tage auf irgendwelche Updates zu warten, die wichtige Funktionen nachliefern und keine Verschlimmbesserungen darstellen. Immerhin, bei Samsung fühlte ich mich im Vergleich immer gut aufgehoben, da sie trotz der sinnlosen Kritik (noch so ein Ding das mich zur Weißglut bringt) immerhin relativ schnell und häufig Updates nachliefern. Relativ schnell und häufig bezogen auf die Android-Welt. Bei den anderen Herstellern sieht es aber nicht immer so rosig aus. Der beste Weg eine Änderung zu erzielen, ist hierbei so lange die entsprechenden Produkte zu meiden, bis die Hersteller gezwungen sind etwas zu ändern. Mittlerweile haben Android-Geräte einen marktbeherrschenden Anteil und solch ein quasi-Monopol macht vor allem faul und bequem.

 

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Innovation wird nicht aus Bequemlichkeit heraus geboren, sondern aus Notwendigkeit.

 

 

Wenn es notwendig wird, werden Hersteller wie Samsung, LG und Co etwas ändern. Das sinnlose Geheule einiger (und mögen es auch weltweit 100 000e sein) Nerds in irgendwelchen Kack-Foren wird daran nur in den seltensten Fällen etwas ändern.
Ein weiterer entscheidender Punkt: Für mich sind die innovativen Zeiten in der Android-Welt vorbei. Die Hersteller machen ihre Sache mal mehr, mal weniger gut, wodurch User-Modifikationen (ROMs, Addons, Themes etc) nach all den Jahren immer weniger interessant werden. Bestes Beispiel: man möge sich einmal die customROMs für das Samsung Galaxy S5 anschauen. Alle mehr oder weniger gleich, essentielle Alleinstellungsmerkmale sucht man vergebens. Ein für mich wichtiger Punkt – die Freiheit, an meinem Smartphone Änderungen durchführen zu können, fällt damit flach. Sicher, niemand hält mich davon ab, mein Android-Smartphone zu rooten oder nicht. Es hat früher einfach mehr Sinn gemacht und war imho lohnenswerter. Ich muss meinem Spieltrieb also anderswo Raum verschaffen.
Eine weitere Unsitte für mich: der sinnlose Hype um Cyanogen, Nexus und Stock-Android. Wenig Funktionen und Innovationen, aber jeder Furz wird von einer faschistoid anmutenden Community geschlossen abgefeiert und bis aufs Blut verteidigt. Daran haben eine Handvoll Blogs mit ihrer naiven und einseitigen Berichterstattung keinen unerheblichen Anteil. Kurzum, ich will fürs Erste damit nichts mehr zu tun haben. Noch eine Geschichte aus dem Nähkästchen: das letztjährige Nexus 5. Selten wurde ein Smartphone im Vorfeld so gehypt, so dass es offenbar vielen Blogs und Magazinen wie ein nachträgliches Schuldbekenntnis hätte vorkommen müssen, als dann nüchtern betrachtet das Nexus 5 einfach nur ein gutes Smartphone war, aber eben nicht der herbeigeredete Überflieger. Konsequenzen: Keine! Also wurde die Mehrzahl der Testberichte im gleichen Ton verfasst, so als ob nichts wäre. Schwächen, Mängel und Unzulänglichkeiten wurden unter den Teppich gekehrt. Unser Testbericht war zu jener Zeit so ziemlich der einzige, der kritische Töne anschlug und die Dinge beim Namen nannte: das durfte man nicht. Die Reaktion in den Kommentaren: verheerend. Am Schlimmsten aber: es blieb nicht bei der Kritik an der Sache (dem Test), sondern es musste gleich ganz persönlich werden. Das habe ich so oft schon erlebt, aber es nervt mich nach wie vor. Ich frage mich, wie man sich so sehr in etwas reinsteigern kann, dass man abweichende Meinungen nicht erträgt. Wozu aber überhaupt Blogs lesen und Blogs schreiben, wenn überall nur der selbe Dreck, die gleichen vorgefertigten Meinungen stehen sollen? Bin ich denn Google, Samsungs oder Apples Lohnsklave?
Nicht, dass ich mir einbilde, in der Apple-Welt wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber diese intolerante Unart, andere Smartphones und Betriebssysteme schlechtreden zu müssen, ist in der Android-Welt sehr stark verbreitet. Nun bin ich kein Soziologe, der diesen Umstand mit dem Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, sozialen Status etc. eines typischen Android-Anhängers in Zusammenhang bringen kann. Wer aber einmal auf der IFA war (und Achtung, jetzt wird es unfair und völlig übertrieben) weiß, dass der typische Android-Leser und Schreiberling männlich und ungewaschen ist, keine Freunde hat und ergo nie ein richtiges Sozialverhalten entwickeln konnte.
Also kehre ich der ganzen Sache den Rücken. Was mir sicher nicht leicht fällt, immerhin habe ich in den Jahren so manche App für Android gekauft, die ich nun nicht mehr nutzen kann. Meine WhatsApp-Freischaltung dagegen funktioniert nach wie vor, so dass ich die nächsten zwei, drei Jahren immer noch abgedeckt sind.
Wer demgegenüber sehr viele und womöglich teure Apps sein Eigen nennt, wird diesen Schritt scheuen – Argumente um das Ganze abzufedern, habe ich nicht wirklich. Ich probiere es aber hiermit: So ziemlich alle Apps, die ich von Android her kenne, finden sich ja erst recht bei Apple. Einige Apps und Games gibt es exklusiv bzw. in besserer Ausführung für iOS 8, etwa 11 Freunde oder SkyGo. Für die Apple-eigenen Apps wie Pages, Numbers und Keynote gibt es im Android-Lager keine Entsprechung, da könnt ihr ganz lange nach einem Äquivalent suchen, das annähernd einen gleichwertigen Grad an Komfort bietet, vor allem im Zusammenspiel mit iCloud. Google Docs sind hier aber sicher zu nennen und generell hat Google recht gute Apps und Angebote parat, aber eben für beide Plattformen. Der virtuelle Festplattenspeicher ist bei iCloud mit 5 GB gratis ein wenig arg begrenzt, mehr gibt es gegen Aufpreis: 20 GB kosten € 99 Cent monatlich, was jetzt sicher nicht die Welt ist, allerdings: Google Drive bietet 15 GB von Hause aus, ist universell (also auch mit iOS) nutzbar. Für 1,99 Dollar bekommt ihr üppige 100 GB. Apple verlangt für 200 GB € 3,99. Vielleicht ist die Nutzung von Google Drive mit dem iPhone 6 doch ein kleiner Beweggrund? Muss man letztlich selbst entscheiden.
Großartige Probleme beim Umzug von Android auf iOS hatte in Bezug auf Kontaktdaten dank Synchronisation der Kontaktdaten, Bilder, Dokumente mit meinem Google-Konto und anschließender Übertragung auf das iPhone nicht. Ich persönlich synchronisiere (vielleicht ein wenig umständlich) all meine Kontakte mit iCloud. Für den Abgleich, und um doppelte Einträge zu vermeiden, verwende ich die App Kontakte Sync für Google Gmail .

Fazit zum iPhone 6

Und nun, Zeit für ein persönliches Fazit? Sicher, man könnte ewig schreiben, Vor-und Nachteile der entsprechenden Plattformen sklavisch abarbeiten und am Ende wahrscheinlich mit leeren Händen dastehen, denn es läuft auf den persönlichen Geschmack, die eigenen Gewohnheiten hinaus. Beide Betriebsysteme haben ihre Daseinsberechtigung. Die noch vor Jahren grundsätzliche Einteilung “Android für Fortgeschrittene”, “iPhone für den unerfahrenen Benutzer” ist schon lange obsolet, sofern sie denn je eine wirkliche Daseinsberechtigung hatte. Allerdings kommt es bei Android-Smartphones auch immer auf den Hersteller an, was er so an eigenen Anpassungen vornimmt und welche Zusatzfunktionen er seinen Geräten spendiert. So bietet Samsung mit dem Galaxy S5, Alpha oder dem Note 4 einen Funktionsumfang, den man in dieser Form bei anderen Herstellern und iOS 8 vergeblich sucht und manchmal wie zu viel des Guten anmutet. Motorola hat mit den Moto X-Modellen zwei großartige, aber letztlich doch ein wenig unterschätzte Geräte am Start, die sich wechselwillige iPhone-Besitzer unbedingt einmal anschauen sollten.
Ich hatte die beschriebenen Beweggründe für den Wechsel von Android auf iOS 8. Mich würde natürlich an dieser Stelle interessieren, ob es anderen Nutzern ähnlich geht oder sie den umgekehrten Weg gegangen sind: von iOS 8/Apple auf Android. Meinen Schritt zurück in die Apple-Welt habe ich mit dem iPhone 6 bislang nicht bereut.

Überblick der Rezension
Design & Verarbeitung
10
Display
9
Ausstattung
8
Performance
9
OS & Funktionen
8
Kamera & Video
8,5
Akku
7
Preis
7
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Gary Madeo
Bloggt seit Jahren mit vielseitigen Interessen, kümmert sich um administrative und redaktionelle Inhalte. Sachlich und nüchtern, oder auch persönlich und polemisch - auf jeden Fall aber immer voll bei der Sache.