Für Montag kündigte Microsoft (MS) eine wichtige Vorstellung an. Man erwartet, dass auf dem Event in Hollywood Microsofts erster eigener Computer in der 37jährigen Firmengeschichte vorgestellt wird. Laut New York Times soll es sich dabei um ein Tablet handeln, welches auf einem ARM-Chip basiert – die selbe Technologie wie sie bereits in Apples iPad bzw. in den allermeisten Smartphones verwendet wird. Dafür soll Windows RT installiert sein, ein speziell auf diesen Chip-Technologie optimierte Version des zukünftigen Windows Betriebssystem. Klassische Windows-Programme werden allerdings nicht unterstützt, diese werden dann ausschließlich auf Tablets mit x86-CPUs laufen (Intel, AMD…).

Wendepunkt in Microsofts Firmengeschichte?

Nachdem Apple mit seinem iPad trotz Konkurrenz von Google immer noch den Tablet-Markt dominiert, steht Microsoft unter Zugzwang. Denn MS selbst sieht Touch-basierte Geräte als die Zukunft der Computer an. Windows 8 wurde trotz massiver Kritik auf eben solche Geräte zugeschnitten und nun soll Microsoft, die bisher blendend vom Lizenzgeschäft mit PC-Herstellern leben konnten, eigens für diese Windows-Version in das Hardware-Geschäft einsteigen – ein riskantes aber vielleicht notwendiges Unterfangen um nicht irgendwann von Apple als Softwarehersteller Nummer 1 abgelöst zu werden.

Hardwaregeschäft nicht ganz neu

Windows 8 Tablet- Zune HD Player

Windows 8 Tablet- Zune HD Player

Zwar stellte Microsoft bisher keine eigenen PCs her, aber als Hardware-Hersteller von Unterhaltungsmedien versucht man sich schon seit geraumer Zeit, und zwar mit gemischtem Ergebnis. Zunächst stieg Microsoft mit der Xbox in das Konsolengschäft ein, welches jahrelang ein Verlustgeschäft war. Auch mit der Xbox360 hatte man zunächst massive Probleme: der gefürchtete ‚Red Ring of Death‘ wurde erst nach Jahren in den Griff bekommen und verursachte enorme Kosten durch Rückläuferquoten von über 30%. Erst in den letzten Jahren verdient man auch am Konsolengeschäft.
Zune, Microsofts eigener Multimediaplayer, ist hingegen komplett gescheitert. Trotz guter Kritiken konnte man nicht ansatzweise mit Apples iPod mithalten und stellte das Projekt ein. Die Zune-Software für den PC wird allerdings weiterhin verwendet, soll aber demnächst, vermutlich wegen des schlechten Rufs in den USA, umbenannt werden.

Microsoft riskiert alles

Zune ist nun also Geschichte weil es auf dem amerikanischen Markt floppte. Aber ganz vergessen wird man Zune nie, denn die MetroUI wurde erstmals für den Zune-Player entwickelt. Später setzte man beim Redesign des Windwos Betriebssystems für Smartphones auf eben diese Benutzeroberfläche, mit bislang mäßigem Erfolg. Auch hier sind die Kritiken in der Fachpresse ordentlich, doch der Kunde scheint das System nicht anzunehmen. Denn trotz der Unterstützung von Nokia schrumpften die Marktanteile im mobilen Sektor auf ca 2% zusammen. Der US-Release der Nokia Lumia Reihe konnte zwar den Absturz bremsen, aber einer Aufholjagd kann keine Rede sein. Windows 8 wird nun auch auf diese Bedienoberfläche setzen, und zwar auf allen möglichen Systemen. Sowohl Tablets als auch PCs und Notebooks werden die unbeliebte MetroUI spendiert bekommen, wobei die beiden letztgenannten auch eine klassische Desktop-Ansicht besitzen.
Microsofts Hoffnung wird wohl sein, dass sich Nutzer nun mit der Einführung des neuen Bedienkonzepts in Windows 8 beschäftigen müssen, bevor sie es komplett ablehnen. Denn um Windows Phones und Zune-MP3-Player konnte man bisher bequem einen Bogen machen. Den gewohnten Windows PC mit all seinen Programmen werden die meisten wohl nicht so schnell aufgeben. Genau hierin wird Microsoft die Chance sehen seine anderen Geräte an den Mann zu bringen, denn wer die Oberfläche am PC oder der Xbox akzeptiert, wird auf den Touch-basierten Systemen erst recht kein Problem damit haben.

Das Microsoft nun selbst ein Tablet baut wird diesen Übergang erleichtern. Denn der Preiskampf im Tabletmarkt ist abseits der iPads enorm, und die Verkaufszahlen sind dennoch verhältnismäßig winzig. Wie könnte da Ein Windows Tablet mit einem Android Tablet konkurrieren, während die Lizenzkosten für Android 0$ betragen, für Windows 8 hingegen ca 85$? Daher gehen wir davon aus zunächst ein eher günstiges Windows Tablet von Microsoft zu sehen, während anderer Hersteller eher auf hochpreisige, leistungsstarke Systeme setzen. Ob die Rechnung aufgeht, ist völlig offen. Eines steht aber fest: es wird ein langwierer Übergang für Microsoft und auch für die Kunden. In dieser Zeit könnten dann finanzschwache, abhängige Hersteller wie Nokia unter die Räder kommen.

Quelle: New York Times

 

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