Motorola RAZR: die Wiedergeburt eines Klassikers?

Das gleichnamige Klapphandy aus dem Jahr 2004 war eines der erfolgreichsten Handys aller Zeiten. 50.000.000 mal konnte es an den Mann, meistens aber die Frau, gebracht werden. Ein ähnlicher Erfolg wird dem Namensvetter sicherlich verwährt bleiben, und das, obwohl es, im Gegensatz zum Bestseller damals, technisch auf Höhe der Zeit ist. Vielmehr lässt sich ein solcher Erfolg im hart umkämpften Smartphonemarkt nicht mehr so leicht wiederholen, es sei denn der Gerät wird von einem angebissenen Apfel geziert. Warum uns das Motorola Razr dennoch überzeugte, erfahrt ihr in unserem Motorola RAZR Test.

SCHLANK, GROSS, HART…

 

So muss ein Gadget gebaut sein, schließlich will man heutzutage wesentlich mehr mit einem Handy anstellen als vor 8 Jahren. Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, was wir damals anstelle unserer Smartphones in Aufzugtüren gerammt haben. Gut,dass die Zeiten vorbei sind…

In der Tat besitzt das Motorola Razr ein eher ungewöhnliches Design. Das mit einem 4,3 Zoll großem Display ausgestattete Gerät könnte schlanker wohl kaum gebaut sein. Denn die 7 mm-Dicke wird nur am vorderen Ende, wo die Kamera untergebracht wurde, aufgehoben. Seitlich betrachtet führt das ein wenig zu einem Fernbedienungslook. Aber auch wenn das Handy groß und schmal ist, fühlt es sich kein bisschen zerbrechlich an. Im Gegenteil: durch die KEVLAR-Verstärkung und das Corning-Gorilla-Glas erreicht man hier ein neues Level. Selbst Handys in Metallgehäusen fühlen sich nicht so robust an. Außerdem soll eine spezielle Beschichtung vor Kaffee oder Regen schützen. Wir wollten das in unserem Test aber lieber nicht überprüfen.

Die Front wirkt auch etwas gewöhnungsbedürftig, denn um das Super Amoled Advanced Display herum ist für heutige Zeit relativ viel Platz, sodass der Eindruck eines Bilderrahmens entsteht. Die hervorstechende silberne Motorola-Plakette wirkt auch etwas deplaziert, vermutlich stellt sie aber eine rechtliche Präventivmaßnahme dar, um ja nicht Apples Geschmacksmuster zu berühren. Mal im Ernst, auch wenn mir das Design insgesamt weniger zusagt wie beispielsweise das des Galaxy Nexus oder des Nokia Lumias, ist es wirklich etwas Neues und Frisches, was sicherlich auch Fans finden wird.

Display: Super AMOLED Advanced

Das kontrast- und farbintensive Display steht dem in Samsungs Galaxy S2 in nichts nach. Im Gegenteil, es scheint weniger unter den typischen Schwächen der OLED-Technologie zu leiden. So muss man die üblichen Schlieren bei niedriger Helligkeit in großen, einfarbigen Flächen, beispielsweise wenn man den Market öffnet, mit der Lupe suchen. Auch einen typischen Blaustich in weißen Flächen konnten wir nicht ausmachen, allerdings neigt das Display wiederum etwas zu sehr ins Gelbe. Mit einer Auflösung von 540 x 960 übertrifft man zwar das Galaxy S2 in Sachen Pixeldichte, die verwendete Pentile-Matrix spart aber einige Subpixel ein, wodurch sich die Schärfe insgesamt wieder auf dem selben Level befindet. Alles in allem ist es sicher eines der besten Displays bislang.

Android 2.3: Gingerbread mit zahlreichen Extras

Motorola gehörte schon immer zu den Herstellern, die fast nichts der Android Oberfläche unberührt ließen. Auch wenn die vielkritisierte Oberfläche Motoblur nicht mehr zum Einsatz kommt, erinnert Motorolas neues Software-Design kaum mehr an Gingerbread in seiner Urform, wie man es vom Nexus S kennt. Zahlreiche Animationen und hübsche 3D-Effekte schmücken die neue Oberfläche.

Zusatzfunktionen hat das Smartphone einige zu bieten:Schaltet man das Handy zum ersten Mal ein, wird man wie üblich aufgefordert sich bei google einzuloggen. Außerdem kann man sich bei Facebook,Twitter und Co einloggen. Ist das getan, wirkt das Handy sofort extrem personalisiert. Motorola legt automatisch die favorisierten Telefonbucheinträge mitsamt Fotos als Schnellzugriff auf den Homescreen. Überrascht war ich von der Animation, wenn man an diesem Widget zupft und es sich sprungfederhaft öffnet.  Die Fotogalerie stellt auch Bilder aus den Sozialen Netzwerken dar – Facebook und Twitter Widgets landen zusätzlich auf einem der Startbildschirme. Einen universellen Posteingang findet man dort ebenso. Den Facebook Messenger kann man sich auch sparen, da Motorola auch die Facebook-Nachrichten synchronisiert.Motorolas Motocast ermöglicht das Streamen von Medien vom heimischen PC, ähnlich wie man es von Apples iCloud kennt.Die Fotogalerie hat mit der 3D-Gallerie von google nichts mehr zu tun. Vor allem in der horizontalen Haltung hat sie mich durch ihre hübsche und moderne Darstellung der Fotos überzeugt. Dabei werden die aufgereihten Bilder von hinten angestrahlt und werfen einen hübschen, dynamischen Schatten. Vor allem beim Scrollen kommt der Effekt sehr schön zur Geltung.

Auch die Tastensperre hat Motorola angepasst. Mit einem Wisch von links nach rechts wird diese aufgehoben, wischt man von rechts nach links, gelangt man zur Kamera-App. Das entspricht soweit den Funktionen des Ice Cream Sandwich Lockscreens. Zusätzlich gibt es einen Schalter um die Töne ein- und auszuschalten.
Beim Wischen durch die Menüs und Applisten fühlt sich das Ganze insgesamt nicht ganz so flüssig an wie beispielsweise bei Samsungs Touchwiz oder einem der zahlreichen Launcher-Alternativen aus dem Market. SPB Shell 3D und der ADW-Launcher Ex machen da eine bessere Figur, weshalb ich mich für die Nutzung letzteres entschied. Dann erhält man ein perfektes Paket aus Motorolas Zusatzfunktionen und superschneller Oberfläche auf iPhone oder Windows Phone 7-Niveau. Insgesamt stellen Motorolas Anpassungen einige willkomene Erweiterung der puren Android-Erfahrung dar.

Foto- und Videokamera

 

Rasierklingenscharf sind die Fotos des RAZRs leider nicht. Von 8 Megapixeln hätte man hier mehr erwarten können. Leider sind die Bilder etwas verrauscht, was man natürlich bei schwacher Beleuchtung besonders merkt. Der automatische Weißabgleich sorgt meist für natürliche Farben. Im Freien gelingen bei Tageslicht recht ansehnliche Bilder, mit ordentlichem Kontrast, verhältnismäßig hoher Bilddynamik, und guter Schärfentiefe.

Im Gegensatz zum Galaxy Nexus gönnt sich das Motorola Razr ein bis zwei Sekündchen vom Auslösen über das Fokussieren bis zu Aufnahme.
Der Panorama-Modus funktioniert ähnlich wie von Android 4 bekannt, auch die Qualität entspricht in etwa eben dieser.
Auch interessant ist die Möglichkeit seine Fotos und Videos per Mini-HDMI auf große Bildschirme zu bringen. Leider liegt dem Gerät kein entsprechendes Kabel bei, weshalb wir die Funktion nicht ausprobieren konnten. Schade, dass Geräte dieser Preisklasse lediglich mit einer Minimal-Ausstattung ausgeliefert werden (Headset, Ladegerät, Akku).

Leistung

Der verwendete Dual Core Prozessor bietet genügend Leistung für alle momentan erhältlichen Spiele, allerdings sind einige noch nicht kompatibel. In Benchmarks erreicht die TI OMAP 4460 CPU ähnliche Werte wie das Galaxy Nexus, was nicht weiter verwundert, denn die Prozessoren und GPU (PowerVR SGX540) sind identisch. Die Grafikeinheit mag zwar etwas antiquiert klingen (das Galaxy S1 aus dem Jahr 2010 verwendet den selben Chip, das iPhone4 nutzt ihn auch in abgewandelter Form), dennoch sorgt er für ausreichend Dampf unter der Haube. 5400 Punkte in Antutu und knapp 1000 im Browser Benchmark Vellamo können sich sehen lassen. Letzterer Wert dürfte sich noch deutlich erhöhen, sobald das Update auf Ice Cream Sandwich da ist. Auch im Alltag bestätigt sich die Performance: GTA 3 läuft mit höchsten Details meist flüssig, Apps starten sehr schnell und der Browser ist eine Rakete. Die Ladezeiten sind auch bei aufwendigen Seiten wie Phonearena angenehm kurz. Nur das Scrollen auf manchen Internetseiten kann leicht ruckelig vonstatten gehen. Das dürfte dann mit Android 4 der Vergangenheit angehören.

Die Akkuleistung geht für einen Smartphone dieser Größenordnung voll in Ordnung. Wer in solch einen teuren und möglichst treuen Weggefährten investiert, möchte sicher viele seiner gelungen Synchronisationsdienste nutzen, die aber letztendlich am Akku nagen. Dennoch hält einem der 1780 mAh starke Lithium-Ionen-Akku den ganzen Tag die Stange. Leider ist dieser fest in den schlanken Unibody des RAZRs verpflanzt worden, weshalb er nicht austauschbar ist. Für Fans von Reserveakkus ein KO-Kriterium.

Fazit Leistung: Mit den großen Parallelen zu googles Flaggschiff, ist das Razr bestens für die Zukunft gerüstet. Auch dass der Nachfolger Motorola Razr Maxx im Grunde die selbe Hard- und Software verwendet, dürfte die mit zunehmder Verbreitung dieser drei Telefone, für eine hohe Kompatibilität und Optimierung aufwendiger Programme sorgen. Übrigens dürfen wir Europäer das RAZR Maxx getrost ignorieren. Denn der vergrößerte Akku, stellt lediglich eine Reaktion auf die miesen Akkulaufzeiten im LTE-Netz dar.

Fazit:

Galaxy S2, Galaxy Nexus, HTC Sensation XL, das ist Androids erste Liga, welche Motorola mit der Neuaflage ihres Kulthandys aufzumischen versucht. Und das ist den Amerikanern auch gelungen, auch wenn es sich in keinem Bereich von der Konkurrenz sonderlich hervorhebt. Es kann in Vielem mithalten oder befindet sich auf Augenhöhe, doch das Killer-Feature fehlt. So kann ein Galaxy Nexus mit dem gebogenen HD-Display auftrumpfen, das Galaxy S2 mit einer der besten Smartphone Kameras, und das HTC Sensation XL mit einem leuchtstarken Riesen-Display und besonderem Sound. Motorolas durchaus beeindruckendes Gesamtpaket vermag es allerdings nur mit seinem schlanken, großen und hartem Design hervorzustechen. Und das ist eben Geschmackssache.

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Datenblatt

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