Die neue Wallpaper-Sammlung gesehen?

Motorola Xoom 2 Media Edition

Da das Motorola Xoom 2 in den einschlägigen Blogs bislang nur wenig Beachtung fand, war ich umso neugieriger, was es mit Motorolas zweitem Tablet auf sich hat. Höchstgradig erfreut war ich, als mein freundlicher Postbote mir einmal mehr ein Päckchen aus dem Hause getgoods.de entgegenhielt, mit der Bitte um eine Unterschrift.

Das Motorola Xoom 2 kommt in einer sehr gelungenen, relativ kleinen Verpackung daher, so dass ich zunächst dachte, ein übergroßes Smartphone erhalten zu haben – der Trend geht ja bei den Smartphones so langsam aber sicher Richtung 5 Zoll. Das Xoom 2-Display misst 8,2 Zoll Bildschirmdiagonale- ungewöhnlich, kommen die meisten Tablets entweder auf 7 oder ca. 10-Zoll.

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  • 8,2 Zoll-Display mit 1280×800 Pixel
  • Android 3.2.2
  • ARM Cortex A9 (Dual-Core) mit 1,2 GHz
  • 1024 MB Arbeitsspeicher und 16 GB externer Speicher
  • WLAN+3G
  • 5,0 //1,3 Megapixel Kameras

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Erster Eindruck

Vom Design her erinnert das Xoom 2 ein wenig an das neue RAZR-Smartphone: es besitzt (abgerundete) Ecken und Kanten, einen griffigen Rahmen sowie eine metallene Rückfront. Den kontroversen, hervorspringenden Wulst des RAZRs allerdings hat man weggelassen. Recht ungewöhnlich platziert sind die Bedienungselemente. Sie befinden sich nicht wie sonst üblich seitlich sondern auf der Rückseite. Man muss sich also die Position der Knöpfe merken. Der Druckpunkt für den Homebutton ist etwas schwammig geraten, die Tasten für die Lautstärke dagegen reagieren sehr schnell, das Drücken könnte jedoch ein klein wenig leiser vonstatten gehen.

Als Betriebssystem ist Android Honeycomb in der Version 3.2.2 installiert. Sollte sich Motorola keine Patzer erlaubt haben, so dürften uns Motorolas Eingriff ins OS darüber hinwegtäuschen, dass kein Android 4 Ice Cream Sandwich uns begrüsst.

 

Design und Hardware

Was steckt denn jetzt genau unter der Haube des Motorola Xoom 2, und hat Motorola das Ganze diesmal gelöst? Das erste Xoom war, als erstes groß beworbenes Android-Tablet, ja nicht gerade ein filigranes Sahneschnittchen sondern eher die etwas rund und die Hüften gewordene Schönheit vom Dorf. Natürlich ist es in gewisser Hinsicht ein „Apfel mit Birnen-Vergleich“, wenn wir die kleine Media Edition mit dem Ur-Xoom vergleichen. Das Xoom der ersten Generation brachte über 700 g auf die Waage, der 10.1-Zoll Nachfolger 599g und die hier getestete Media Edition-Version lediglich 386 Gramm. Selbstredend verurteilen wir den Schlankheitswahn aufs Schärfste aber auf dem Tablet-Bereich bezogen begrüßen wir diese Entwicklung – wir wollen ja hier nicht Gewichte stemmen, sondern entspannt im Internet surfen und Apps starten.

Für all diejenigen, die es nach Draußen zieht, hat Motorola dem Xoom 2 eine spritzwassergeschütztes Gehäuse spendiert. Der urbane Mensch von heute unterzieht selbst seine teuren und hochempfindlichen Technikgeräte einem radikalen Outdoor-Tauglichkeitstest. Fit im urbanen Dschungel? So ein Schmarrn, ich würde niemals- ich betone niemals!- meine Geräte in irgendeiner Form Situationen aussetzten, in denen sie zu Schaden kommen könnten. Dieser Unique Selling-Point erweist sich als nicht gerade zu Ende gedachter Marketing-Einfall. Vielleicht möchte die PR-Abteilung die Eisbachkanal-Surfer bei uns um die Ecke das nächste Mal mit Prototypen ausstatten. Ich bin mir sicher, die Jungs testen eure Geräte auf Herz und Nieren.

Was bleibt ist ein hübsches, markantes Design, dass verstärkt durch das 9mm dünne Gehäuse, einen zugegebenermaßen prägnanten Eindruck hinterlässt. Streitigkeiten mit Apple wegen Patentverletzungen kann man also auch äußerst geschickt aus dem Wege gehen. Vielleicht kommt diese Erkenntnis auch einmal im Hause Samsung an.


Display – was bekommen wir zu sehen?

Im  Display mit der  standardisierten Auflösung von 1200×800 Pixeln steckt neuerdings ein IPS-Panel, ähnlich wie im Transformer Prime. Der Betrachtungswinkel wird mit 178° angegeben, ein theoretischer Wert, der in der Praxis zwar nachvollziehbar realistisch wirkt aber uns dann doch das ein oder andere Mal stutzen lässt: wer schaut denn so auf sein Tablet? Summa summarum: das Display ist völlig in Ordnung, auf dem 8,2-Zoll-Display wirkt die Darstellung knackig, sauber, relativ farbneutral und im Vergleich zum Ur-Xoom erstaunlich hell und intensiv. Alles richtig gemacht? Fast – unten am Display entdecken wir drei hellere Stellen, so als würde von dort das Display ausgeleuchtet werden. Stört ein bißchen, lässt sich aber verschmerzen.

Kamera – reichen 5 Megapixel?

Wir können diese Frage leicht beantworten: 5 Megapixel sind völlig ausreichend, wir haben schon schlechtere Kameras mit 8 Megapixel gesehen, die auch keine brauchbaren Bilder aufnahmen. Für den Einsatz völlig ausreichend, erschreckten doch die meisten Gegenüber bei der Videotelefonie (Skype funktioniert jetzt endlich unter Honeycomb) nicht mehr als sonst üblich, wenn sie mein Antlitz durch die Autofokus-Kamera des Motorola Xoom 2 betrachteten.

Angenehm fanden wir die Tatsache, dass die Aufnahmen mehr oder minder sofort in der Galerie betrachtet werden konnten- was wir uns gewünscht hätten wäre ein Touch-to-focus-Funktion: das Antippen bestimmter Bildbereiche zum Fokussieren fehlt hier, hätten wir aber gerade bei solch einem relativ handlichen Tablet sehr sinnvoll gefunden.

 

Performance und Akku – kleiner Schlucker?

Im Alltag fanden wir das Motorola Xoom 2 Media Edition auffällig unauffällig. Will heißen: sollen wir Absätze um Absätze verschwenden um einen Sachverhalt darzustellen? Nämlich, dass die Performance völlig ausreichend ist, der Akkuverbrauch bei durchschnittlicher Nutzung absolut durchschnittlich ist trotz vielfach gehörter gegenteiliger Meinungen. Eben. Es gibt hier wenig Interessantes zu berichten aus Schreiber-Sicht…für den Nutzer stellt sich die Situation anders dar: Sie/er kann sich das Xoom 2 mit der Gewissheit, ein solides und zeitgemäßes Gerät zugelegt zu haben, beruhigt zurücklehnen und das Gerät genießen.

Software / Media Edition – nur ein Marketing-Gag?

 



Leider hat es Motorola nicht gewagt, die verbesserungswürdige Honeycomb-Oberfläche beim Xoom2 ähnlich wie beim RAZR optisch und funktionstechnisch auf Vordermann zu bringen. Die, wie wir finden, auf dem RAZR äußerst gelungenen Anpassungen suchten wir leider vergebens. Hübsche 3D-Effekte beim Scrollen der Homescreens oder das Zusammenführen der zahlreichen Social Media-Accounts unter einer übersichtlichen Oberfläche? Fehlanzeige! Ein ausgewachsenes RAZR hätte uns gut gefallen.
Was übrig bleibt, ist ein beinahe Stock-Honeycomb-Tablet, dass Google-Puristen erfreuen wird. Beinahe, weil Motorola dann doch einige zusätzliche Apps eingebaut hat, die die Bezeichnung Media Edition rechtfertigen sollen: etwa MotoCast zum Streamen von Multimedia-Inhalten (klappte auch prima im Zusammenspiel mit einem Samsung LED-TV), oder Dijit (eine Art Fernbedienungs-App für zahlreiche Geräte). Minuspunkte gab es (und das ist unsere ganz persönliche Meinung) für die wenig sinnvollen Apps aus dem Springer-Verlag. Die Bild.de-App konnte nicht einmal gestartet werden, sondern quittierte ihren Dienst bereits beim Start; die Welt.de-App kam sehr nüchtern und funktionsarm daher. Wahrlich kein Kaufanreiz, den Motorola mit dieser Kooperation für den deutschen Markt, geschaffen hat.

 Fazit

Ungewöhnlicher Formfaktor kombiniert mit einem eigenständigen Design – würde Motorola seine Geräte besser promoten, sie würden sich verkaufen wie warme Semmeln. Vieles was Motorola macht, ist auf der einen Seite richtig: gute Hardware und Verarbeitung, umfangreiche Ausstattung. Auf der anderen Seite hat man als Beobachter oftmals das Gefühl, dass manche Dinge nicht konsequent genug umgesetzt werden und an mancher Stelle eine gewisse Nachlässigkeit herrscht. Warum etwa bietet die aus dem RAZR bekannte Oberfläche nicht an? Warum keine Spur von Android 4, ein wichtiges Zugpferd im Jahre 2012, nicht nur was die reine Performance angeht? Das Resultat ist nicht zuletzt eine wenig interessierte Community, die keine CustomROMs anbietet und hier und da Fehler ausbügelt, die der Hersteller nicht schnell ausbügeln kann. Hier sollte sich Motorola von Samsung eine Scheibe abschneiden: nicht zuletzt dürfte der breite Community-Support bei Samsung für viele Käufer einen zusätzlichen Kaufanreiz darstellen, eine Art Absicherung darüber, das Geld in ein zukunftsfähiges Gerät investiert zu haben. Niemand möchte von einem Gefühl beschlichen werden, ein Gerät ohne Support und Zukunft gekauft zu haben. Und weil wir dieses Gefühl trotz des an sich weitestgehend tadellosen Tablets nicht vollständig ausschließen können, schrammt das Motorola Xoom 2 Media Edition knapp an einer eindeutigen Kaufempfehlung vorbei.

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