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Nexus 5 Test & Erfahrungsbericht – Ohne Hype leider nur Mittelmaß

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, Teil 2: hier ist der längst überfällig Nexus 5 Test. Lest, warum das Nexus 5 letztlich nur ein durchschnittlich gutes Smartphone ist, wenn man den Trubel rund um Android 4.4 KitKat beiseitelegt.

Die Wochen vor dem Nexus 5 waren sehr lustig und spannend. Als Blogbetreiber hatte man es sehr einfach: jedes noch so kleine Gerücht konnte man herrlich ausschlachten. Im Grunde genügte es, in irgend einem Artikel die Begriffe Nexus 5 und Android 4.4 KitKat einzubauen. Ob das Interesse so groß war oder nur Google die Suchergebnisse im seinem Sinne manipulierte – keine Ahnung und auch irgendwie völlig egal. Der eigene Standpunkt, die Meinung des Bloggers war völlig irrelevant. Man konnte amüsiert dem Treiben beiwohnen oder sich auf einen besonders heuchlerischen Standpunkt zurückziehen und so tun, als ob einen das Ganze ganz arg furchtbar auf die Nerven ginge. Es spielte überhaupt keine Rolle.

Ein bisschen mea culpa wäre aber sicher angebracht. Letztlich haben wir diese ganze hohe Erwartungshaltung mit aufgebauscht und ernten nun die Früchte unserer Arbeit – wer Sturm sät…Das ist auch das Dilemma: was machen, mit einem Smartphone, dass diesen Erwartungen niemals genügen kann – nicht etwa, weil es schlecht wäre, sondern weil der ganze Hype im Vorfeld völlig überzogen war und man wahrscheinlich viel zu viele Leute mit dem Nexus-Virus infiziert hat. Soll man sich danach ganz kleinlaut geben, sich hinstellen und schreiben: Sorry Leute, da ist etwas außer Kontrolle geraten. Wir haben uns geirrt. Seid nicht böse, wir stellen das einmal klar? Ja, sollte man: das mache ich gerade!

Im Vergleich zum letzten Jahr hatte man bei Google und LG offenbar aus den Fehlern gelernt, so dass im Grunde alle die ein Nexus 5 haben wollten, ein Nexus 5 bekamen – ganz im Gegensatz zur Nexus 4 -Einführung, die oberpeinlich ablief und bei der das Google Smartphone erst drei, vier Monate später flächendeckend verfügbar war. Hat man noch die Bilder von der PlayStation 4-Einführung im Hinterkopf (scheinbar DAS Medien-Ereignis des Jahres) verdient Google eigentlich so etwas wie Lob. Allerdings fällt es mir schwer, jemanden für etwas zu loben, das im Grunde genommen selbstverständlich ist. Schließlich soll ich ja etwas kaufen, in diesem Falle ein durchschnittliches Smartphone, dass mit allerlei Hype und Vorschusslorbeeren ausgestattet auf die wartende Community losgeschickt wurde. Das aber von Android 4.4 abgesehen nicht wirklich viele Alleinstellunsgmerkmale aufweisen kann.

Die neue Google Strategie – man nehme das beste Smartphone der Welt und beraube es aller Killer-Features – fertig ist das Nexus 5!

Analog zum Nexus 4 basiert auch das Nexus 5 auf einem LG Smartphone, in diesem Fall auf dem LG G2, dass, so hat nicht zuletzt unser Test gezeigt, mit zu den besten Smartphones gehört, die man 2013 kaufen kann. Es hat ein ausgezeichnetes Display, eine sehr gute Verarbeitung, einen überdurchschnittlich starken Akku, ein sauberes, aufgeräumtes und sehr funktionales OS und nicht zu vergessen eine Kamera, die gute bis sehr gute Bilder abliefert.

Ich könnte jetzt hergehen und schreiben, dass das Nexus 5 keine dieser Eigenschaften besitzt. Das wäre verkürzt und gemein, würde aber an der Quintessenz meiner Aussage nichts Wesentliches ändern. Betrachtet man also den Rahmen der Möglichkeiten, die Google mit dieser hervorragenden Basis zur Verfügung gestanden hat, kann man eigentlich nur enttäuscht sein.

Gerne wird ins Feld geführt, dass Google andere Prämissen auffährt: vor allem der Preis wird gerne einmal erwähnt. Es stimmt: man bekommt für € 400 kein Smartphone mit Android 4.4 KitKat und Snapdragon 800. Die Frage ist, ob man das wirklich braucht. Und das ist im Grunde die ganze Krux an der Sache: es wird gerne suggeriert, dass man das müsste, ohne näher zu erläutern, warum das der Fall sein soll. Warum brauche ich Android 4.4 und eine Snapdragon 800? Und lohnt es sich dafür auf so viel anderes zu verzichten? Auch wenn letzten Endes jeder in seinen Entscheidungen für sich selbst verantwortlich ist – als Blogger fühle ich mich verpflichtet, diese Aspekte nicht unerwähnt zu lassen.

 

Aber ebenso so gerne wird vergessen und/oder unterschlagen, dass der durchschnittliche User sich nur alle paar Jahre ein neues Smartphone zulegt und damit einige Zeit über die Runden kommen will. Ich dagegen hatte allein dieses Jahr die Möglichkeit, über mehrere Wochen zahlreiche andere Modelle wie das Galaxy Note 3, das Galaxy S4, HTC One, Sony Xperia Z, Xperia Z1 oder das bereits erwähnte LG G2 zu testen. Allein diese aufgezählten Geräte waren in der Summe ihrer Eigenschaften besser als das Nexus 5. Das soll ich verschweigen, nur weil es cool und trendy ist und allenthalben unreflektierter Nexismus herrscht? Bekommen diese als persönliche Blogs getarnten, professionell aufgezogenen Blogs eigentlich Geld von Google für diesen Schwachsinn? Wenn ja, folgt hier mein Appel an alle Android-Dritthersteller: mir kann man auch Geld für meine Meinung geben. Sie ist nämlich auch noch ehrlich. Ich benutze ein Smartphone zum Telefonieren und um damit zu arbeiten, und nicht nur um ROMs zu flashen, bei denen die Hälfte nicht funktioniert.

Kommen wir aber ruhig zum eigentlichen Kern des Nexus 5 zurück und fangen bei den Äußerlichkeiten an. Zuvor rufen wir uns noch einmal alle Basics in Erinnerung:

NEXUS 5
SYSTEMAndroid 4.4 KitKat
DISPLAY4.95-Zoll mit einer Auflösung von 1920×1080 Pixel (445 ppi) Corning Gorilla Glass 3
PROZESSOR2.3GHz quad-core Qualcomm Snapdragon 800 Prozessor
ARBEITSSPEICHER2 GB
INTERNER SPEICHER16 GB bzw. 32 GB interner Speicher (nickt erweiterbar)
KONNEKTIVITÄT/EXTRASWi-Fi (2.4G/5G) 802.11 a/b/g/n/ncNFC (Android Beam) / Bluetooth 4.0
KAMERA8 MP // 1.3MP mit optischem Bildstabilisator OIS
AKKU2300 mAh (fest verbaut)
ABMESSUNGEN69.17 x 137.84 x 8.59 mm
GEWICHT130g

Sicher, Design und Optik beurteilt man nach dem persönlichen Geschmack. Trotzdem kann man diese rein subjektiven Faktoren ein wenig objektivieren. Man führt den Vergleich zum Vorgänger ein und versucht einen erhöhten Standpunkt einzunehmen. Wenn man das Nexus 5 als ein direktes Statement von Google betrachtet, muss man auch den grenzüberschreitenden Vergleich wagen. Was etwa hat Apple anzubieten? In jeden Fall ein gelungeneres Design: sowohl das bunte iPhone 5C oder das traditionell gehaltene iPhone 5S sehen um Welten besser aus. Warum ich das erwähne: weil ich verdammt noch mal jeden Tag auf mein Handy glotze und es das Erste ist, was ich von meinem Smartphone sehe und fühle, von daher ist die Optik nicht unerheblich. Solange es keine Chips gibt, die man unter die Haut implementiert und sämtlich Smartphone-Funktionen erfüllen, behält diese Kategorie ihre Gültigkeit. Lasst uns noch einmal in zehn Jahren darüber sprechen.

Von daher kann ich meinen Eindrücken freien Lauf lassen: das Nexus 5 wirkt wie eine ungeformte, teigige und graue Masse, so als hätte man einen Rohling vor sich, den die Designer vergessen hätten zu gestalten. Dazu trägt die minimalistische Optik bei: rahmenloses Design, der Verzicht auf physikalische Buttons und die glatte, dunkle Oberfläche. Per se ja keine schlechten Eigenschaften, aber dann müssen ein paar Highlights gesetzt werden, so wie es noch beim Nexus 4 der Fall war mit seiner Diskokugel-Glas-Optik.

Immerhin: das Nexus 5 liegt gut in der Hand, der Schwerpunkt ist ganz gut ausbalanciert, so dass sich das Fünf-Zoll-Smartphone auch ohne die allergrößten Verrenkungen einigermaßen leicht mit einer Hand bedienen lässt. Einen speziellen Modus für Einhand-Bedienung, so wie er etwa beim LG G2 oder vielen Samsung Galaxy-Modelle dabei ist, sucht ihr beim Google-Smartphone vergebens. Die Buttons sing gut platziert und befinden sich an den richtigen Stellen, so dass man das Nexus auch prima im „Blindflug“ bedienen kann. Die Lautstärke- und Power-Buttons machen aber nicht den allerbesten Eindruck. Es knarzt ein wenig, der Einschalt-Knopf gar steht bei ganz genauer Betrachtung minimal ab: insgesamt zwar noch gut, aber längst nicht State-of-The-Art. Ich habe wohl bei meinem Modell sowie einigen anderen, die ich in der Hand hatte, das Montags-Modell erwischt. Kann also sein, das mittlerweile sauber verarbeitete Geräte unterwegs sind. Meldungen zufolge hat Google ja bereits eine Revision des Nexus 5 in den Handel gebracht. Ich kann allerdings nur beurteilen, was ich selbst gesehen und gefühlt habe, und von daher gibt es von mir keine Nachsicht für diese Schlampereien.

Die Rückseite fühlt sich mit ihrer gummmierten Oberfläche nicht besonders wertig an – immerhin rutscht das Nexus 5 auf diese Weise nicht so leicht aus der Hand wie es etwa beim LG G2 unter Umständen der Fall sein könnte. Allerdings ist sie was Fettfinger und Staubanziehungskraft angeht ein Wunderwerk modernster Technik: kein Schmutz, kein Hautpartikel entgeht der Nexus 5-Rückseite (siehe Bilder nach erstmaligem Auspacken). Das wird so auch von vielen anderen Usern bestätigt, außer von denen, die jeden Anflug von Kritik mit den hahnebüchensten Argumenten wegreden wollen.

Im Vergleich zum LG G2 sowie dem Vorgänger stelle ich in Bezug auf Design, Verarbeitung und Haptik eine glatten Rückschritt fest.

Display

Das Display des Nexus 5 ist mit das Beste am gesamten Handy. Es ist groß, hell, kontrastreich und knackscharf. Da gibt es für mich überhaupt nichts zu meckern und beanstanden. Allerdings darf man nicht verschweigen, dass das Display des LG G2 eine Ecke besser rüberkommt. Ob es eine rein technische Ursache hat, oder bedingt durch die Farbkalibrierung und die tendenziell dunklere und grauere Farbwahl (sichtbar in den Farbverläufen der zahlreichen Menüs) von Android 4.4 KitKat einfach so wirkt: kann ich nicht abschließend sagen. Insgesamt geht das Gebotene aber in Ordnung. Einziger Wehrmutstropfen: der Display-Rand ist dann doch arg scharfkantig – ein wenig mehr Rundung hätte sich aus haptischer Sicht besser gemacht. Offenbar hat Google auch hier mit der Revision ein wenig Abhilfe geschaffen.

Über Android 4.4 ist viel geschrieben worden: über den Launcher, die neue Google Now Suche, die neue Optik und den Flat-Icon-Look. Große Worte möchte ich hierzu nicht verlieren. In vielerlei Hinsicht stellt Android 4.4 ein Verbesserung dar und mir fällt auf Anhieb auch nicht wirklich ein großer Rückschritt im Vergleich zu Android Jelly Bean auf. Viele der Änderungen sind positiver Natur oder spielen sich unter der Haube ab. Das ist auch gut so. Anbei findet ihr eine Auswahl der größten Änderungen:

Die Änderungen in Android 4.4 (eine Auswahl)

Generell

  • transparente Darstellung: hinter Statuszeile sowie Navigation
  • Drittanbieter können hierfür neue API-Schnittstelle nutzen
  • größere Icons im Flat-Look
  • Widgets erstellen durch langes Drücken auf dem Hintergrund
  • Lockscreen: Cover wird in voller Größe bei der Musikwiedergabe angezeigt
  • Wechsel zwischen installierten Launchern unter Einstellungen möglich
  • Hangouts mit SMS-Support

Google Now & Sprachsuche

  • eigener Screen: auf dem Homescreen nach links wischen
  • Größeres Update mit mehr kontextrelevanten Infos geplant
  • Always On-Mikro: Sprachsuche mit „OK Google“ starten (nicht auf allen Geräten!)

Immersive-Modus (Vollbild)

  • zusätzlich zum bisherigen Lean Back (wird durch Drücken auf den Bildschirm beendet)
  • Interface-Element werden erst durch Wischen vom oberen oder unteren Bildschirmrand wieder eingeblendet

Dialer/Telefon-App

  • verändertes Design und erweiterte Funktionalität
  • direkte Suche nach Telefonnummern ->
  • Suchergebnisse beinhalten Kontakte sowie kontextbezogen die nähere Umgebung

Allerdings darf man aus meiner Sicht einige Dinge nicht unerwähnt lassen: nach wie vor ist das Nexus 5 ein relativ „nacktes“ Smartphone, dass nur über wenige Komfort-Funktionen verfügt. Dritthersteller bieten mit ihren angepassten OS-Versionen mehr Features und Funktionen. Das Argument, dass das Nexus 5 dafür wesentlich billiger ist, zieht aus meiner Sicht längst nicht mehr. Das LG G2 kostet derzeit nur ca. € 30-40 mehr, ist aber wesentlich besser: mehr  Komfort, mehr Funktionen, besseres Display, größerer Akku und eine Kamera, die in einer ganz anderen Liga mitspielt. Einen Haken hat die Sache aber dann doch: 16 GB statt 32 GB könnten für viele ein K.O.-Kriterium darstellen. Kann ich gut nachvollziehen. Hätte ich die Qual der Wahl, würde ich aber in den sauren Apfel beißen und auf den doppelten Speicher verzichten. Oder eben ein bißchen länger Sparen und auf die 32 GB des LG G2 wechseln.

Wie schaut es denn wenigstens in Sachen Benchmarks aus? Wird das Nexus 5 auf ganzer Linie triumphieren, so dass wenigstens hier Anhänger beruhigt sein können? Ja und Nein!

Zur besseren Vergleichbarkeit jagen wir alle Testgeräte, so auch das Nexus 5, durch die gleichen Benchmarks. Aktueller Sieger unter den Snapdragon 800-Smartphones ist derzeit das Samsung Galaxy Note 3, dass wir somit als Referenz-Gerät hinzuziehen. Die Ergebnisse des Sony Xperia Z1, LG G2 sowie des besagten Note 3 findet ihr hier:

Benchmarks: LG G2, Xperia Z1, Note 3

Runde 1: AnTuTu X

 
AnTuTu gehört zu den beliebtesten Benchmark-Programmen, die es auf dem Android-Sektor gibt. Kein Wunder also, dass viele Hersteller ihr Gerät hier gut aussehen lassen wollen. Optimiert für Multi-Core-Prozessoren, testet AnTuTu etwa die Performance der CPU, GPU, I/O oder des Speichers. Wir haben die manipulationssichere Variante des beliebten Benchmark-Tools AnTuTu X verwendet: Das Note 3 fährt 32329 Punkte ein, das Nexus 5 28158.

Runde 2: Vellamo

 

Vellamo gehört zum mobilen Prozessor-Spezialisten Qualcomm und unterteilt seine Benchmarks in zwei Bereiche namens HTML5 und Metal. Bei HTML5 wird die Leistungsfähigkeit des mobilen Webbrowsers untersucht, während beim Metal-Benchmark das CPU-Subsystem unter die Lupe genommen wird. Im HTML-Test gibt es keinen Wettkampf, das Nexus 5 liegt weit abgeschlagen hinter dem Note 3. Schuld ist wohl der langsame Chrome-Browser. Im Metal-Test dagegen kommen sich die beiden recht nahe, auch wenn das Samsung-Phablet eine (deutliche) Nasenlänge vorne liegt. Das Nexus 5 holt 1397 und 1159 Punkte, das Note 3 dagegen 2833 und 1236.

Runde 3: Quadrant Standard

Oldie but Goldie? Quadrant gehört zu den ältesten Performance-Programme, die es für Androiden gibt mit Schwerpunkt auf CPU, I/O und 3D Grafik. Auch eine kostenpflichtige Variante ist erhätlich. Über die Qualität und Vergleichbarkeit der Benchmarks lässt sich vortrefflich streiten, aufgrund seiner enormen Popularität haben wir es dennoch aufgenommen.
Hier gibt aus Sicht des Nexus 5 einen Totalausfall und man scheidet vorzeitig mit Reifenschaden aus dem Test aus. Das Note, sowie alle anderen Snapdragon Smartphones liegen weit vorne. Das Nexus 5 holt nur 7816 Punkte, dem stehen 21996 beim Note 3 gegenüber.

Runde 4: CPU Prime

CPU und RAM werden hier untersucht – in beiden Bereichen ist das Note 3 vorne. Vom CPU-Takt her liegen die beiden Modelle im Grunde gleich auf, beim Arbeitsspeicher bringt das Note 3 wie erwähnt 1 GB mehr mit. Das Nexus 5 verbucht 3843 Punkte, das Note 3 6299.

Runde 5: Epic Citadel

 

In Epic Citadel kommt erstmals Freude bei Nexus 5 -Anhängern auf, denn in dieser Grafik-Demo mit der Unreal 3-Engine, die mittlerweile wohl keine allzugroße Hürde mehr für moderne Smartphones darstellt, liegt es erstmals minimal vor dem Note 3. 52.6 Frames pro Sekunde anstatt 51.3 beim Note 3– hier bewegen wir uns innerhalb der Messtoleranz.

Runde 6: 3D Mark

So langsam findet das Nexus 5 zurück in die Spur und schließt mit dem Note 3 auf, kann sich sogar minimal durchsetzen: 17695 zu 17031 für das Note III.

Runde 7: Geekbench 3

 

Kommen wir zur Ausnahme von unserer kostenlosen Benchmark-Regel: Version 3 der beliebten Benchmark-App, die sowohl die Leistungsfähigkeit in Single Core-Anwendungen simuliert, als auch einen Multi-Prozessor-Test abliefert. Wie auch immer, in Runde 7 liegt das Samsung-Phone wieder deutlicher vor dem Nexus 5 – es sammelt 957 und 3009 Zähler, das Android 4.4-Smartphone dagegen nur 801 respektive 2278.

Runde 8: Smartbench 2012

 

In der 2012er-Version von Smartbench wurde im Vergleich zu Smartbench 2011 ein neuer 3D-Test eingeführt, weswegen wir dieser Variante den Vorzug gegeben haben. Ein idealer Kandidat verfügt in diesem automatisch an die Auflösung skaliertem Benchmark eine mächtige CPU, die 3D-Polygone für eine nicht all zu hohe Display-Auflösung ausliefern muss. Auch hier fällt das Nexus 5 deutlich ab, landet auch hinter dem Xperia Z1 sowie dem LG G2. Die Punkte: Note 3 holt 9853 Punkte, das Nexus 5 bleibt bei 6488 Zählern stehen.

Runde 9: Octane Benchmark

 

Keine App in der Vorschuss-Runde, sondern ein Browser-basierter Javscript-Benchmark. Es werden insgesamt 13 verschiedene Tests durchgeführt, in der sowohl 2D- und 3D-Leistung untersucht werden, als auch etwa der OS-Kernel unter die Lupe genommen wird. Vorne liegt zur Überraschung das Nexus 5. Ist letztlich auch ein Google-Benchmark, mögen Samsung-Anhänger einwerfen.

Runde 10: Sunspider 1.0.1

 

Ein Javascript-Benchmark ist in der zehnten und letzten Runde vorgesehen, bei dem der niedrigere Werte (gemessen in Millisekunden) entsprechend besser ist. In Sunspider sind die ermittelten Werte typisch für den gesamten Benchmark-Vergleich: das Samsung fährt den Sieg mit 598.4 ms ein, das Nexus landet deutlich dahinter mit 731ms und bewegt sich auf dem selben Niveau wie das iPhone 5C oder das Xperia Z1.

Benchmark-Fazit: Hat die Schokoriegel-Diät dem Nexus 5 nicht gut getan?

Auch wenn das viele Nexus 5-Fans nicht gerne hören: das Google-Phone mit dem im Vorfeld so hoch angepriesenen Optimierungen zieht hier (noch) deutlich den Kürzeren. Das liegt einerseits sicher am zusätzlichen Gigabyte RAM, mit dem Samsung das Galaxy Note III ins Rennen schickt. Andererseits fällt es teilweise auch recht deutlich hinter den anderen Snapdragon 800-Smartphones zurück – es fährt mitunter schlechtere Ergebnisse ein als das LG G2, auf dem das Nexus 5 technisch basiert. Offenbar gibt es noch Luft nach oben was die Performance von Android 4.4 angeht.

Allerdings sprechen wir hier von synthetischen Benchmarks, in reinen Grafik-Leistungsvergleichen und im Alltag relativiert sich das Ganze. In Basemark X fährt das Nexus 5 gute Ergebnisse ein und landet hinter dem iPhone 5S und Xperia Z1 auf Platz drei. Trotzdem: den Über-Effekt des neuen OS sucht man bislang vergebens.

 

Was die anderen Benchmark-Apps angeht, muss man mögliche Updates abwarten, bevor man sich zu einem eindeutigen Urteil hinreissen lässt.

Keine Schwarzmalerei, aber ein paar unschöne Flecken gibt es auch im Alltag: hier gönnt sich das Nexus 5 noch die ein oder andere Pause, gerade wenn der App-Drawer erstmals alle App-Verknüpfungen laden muss, darf der User nicht allzu ungeduldig sein. Wobei anzumerken ist, dass auf dem Nexus 5 ca. 160 Apps installiert sind. Andererseits trifft dieses Problem bei anderen Smartphones wie dem HTC One oder dem Xperia Z1 mit der gleichen App-Anzahl nicht auf.

Einige persönliche Fragen und Anmerkungen seien mir an dieser Stelle erlaubt: warum schneidet ein „nacktes Entwickler-Smartphone„, ohne viel Schnickschnack, Bloat-Ware und Ballast gerade in den bei Nexus-Enthusiasten beliebten Benchmarks so bescheiden ab? Isn’t it ironic, dass Google ein aktuelles Smartphone samt neuem Betriebssystem einführt und dieses schlechter abschneidet als das Modell, auf dem es ursprünglich basiert? Möchte sich Google jetzt nur noch über den Preis definieren, nachdem man bereits beim Thema (technische) Ausstattung und Software das Feld geräumt hat?

Anbetracht der ständig aktivierten Google Now-Suche (always on-Modus) hätten Google und LG einen größeren Akku verbauen müssen. Der veränderte Dienst und das große, helle Display saugen gehörig an der Laufzeit des Nexus 5. Man kommt über den Tag: im Vergleich zum Vorgänger kann ich aber keine großartige Verbesserung festsstellen, sowie es dann doch immer wieder der Fall bei Drittherstellern ist: der Akku beim S4 ist einen Ticken besser als beim S3, das Xperia Z1 hält länger durch als das Xperia Z usw. usw.. Das ist beim Nexus 5 nur bedingt der Fall. Kein Beinbruch, man kann gut damit Leben, aber so richtig das Gelbe vom Ei ist auch diese Kategorie nicht.
Achtung Nerds: Telefonieren kann man mit dem Nexus 5 auch noch. Relativ gut sogar: die Gesprächsqualität ist gut, besser als beim Vorgänger, sprich: relativ klar und deutlich. Soundtechnisch darf man keine Wunderdinge erwarten, was da aus den klapprigen Boxen kommt. Das gilt aber im Grunde für beinahe alle Smartphones, die ich kenne. Scheinbar uneinholbar zieht das HTC One einsam seine Bahnen.

Kamera – besser als beim Nexus 4

Die Kamera macht bessere Bilder als das Nexus 4: wer also ein Upgrade im Auge hat und bei der Marke bleiben will, kann das machen: die Aufnahmen sind qualitativ eine ganze Ecke besser als beim Vorgänger – auch unter erschwerten Bedingungen gelingen Dank HDR+-Funktion öfters Mal ordentliche Schnappschüsse, die man nicht sofort löschen will. Weil ich nicht in die „Aber-beim XYZ-schaut-das-besser-aus“-Litanei verfallen will, schreibe ich nur: Beim XYZ-Smartphone schaut das besser aus. Bilder und Videos sind guter Durchschnitt. Es sind typische Handyschnappschüsse möglich, mit denen man zwar keinen Blumentopf gewinnen kann, bei günstigen Lichtverhältnissen kann man aber durchaus brauchbare Aufnahmen machen.

Ihr könnt es euch denken: das Nexus 5 ist für mich eine große Enttäuschung. Es ist DAS Android-Smartphone gewesen, dass am meisten Hype ausgelöst hat und das viele wie die Niederkunft des Messias erwartet haben. Und was ist im Endeffekt davon übrig? Nicht viel. Android 4.4 ist einmal mehr kein großer Sprung nach vorn, Alleinstellungsmerkmale kann man beim Nexus davon abgesehen wenige ausmachen.
Apple etwa war mit dem iPhone 5C und iOS7 wesentlich mutiger und ist ein Risiko eingegangen. Google verlässt sich auf seinen legendären Ruf als Community-naher Hersteller. Aber auch dieser Nimbus wird einmal  verflogen sein. Mehr Innovation, mehr Wagnis, mehr State-of-The-Art bitte! Ich erwarte ein Smartphone, bei dem mir die Spucke wegbleibt, allein beim Anschauen. Was bekommen meine Augen zu sehen? Ein durch und durch biederes Gerät, mausgrau und unscheinbar. Android war einmal innovativ und brachte viel frischen Wind in die vom Apple-Einheitsbrei dominierte Smartphone-Szene.
Was ist davon übrig? Viel Wirbel etwa um eine Google Now Suche, die zwar den U-Bahn-Fahrplan anzeigt, aber Verspätungen und Abfahrtsänderungen NICHT berücksichtigt, obwohl es ständig im Hintergrund synchronisiert. Das kann sogar die App der Deutschen Bahn – die Deutsche Bahn, die nicht einmal einen Bahnhof bauen kann!
Hat es das beste Display? Nein! Die beste Kamera? Schon gar nicht! Hält der Akku überdurchschnittlich lange durch? Auf keinen Fall! Ist der Preis unschlagbar? Mittlerweile nicht. Ist es wenigstens in der Summe seiner Eigenschaften einzigartig? Es steht und fällt alles mit einer einzigen Tatsache: Das Nexus 5 hat Android 4.4 hat Android 4.4 hat Android 4.4!
Wem es in erster Linie darum geht, die neuste Android Version auf seinem Smartphone zu haben (zumindest 18 Monate lang!) kann und wird zuschlagen. Wäre nicht der ganze Hype im Vorfeld gewesen, man könnte von einem guten Smartphone sprechen, dass, abgesehen von der Kamera, keine großen Schwächen aufweist. Aber noch einmal: wo sind die Highlights?

Für alle Anderen gilt: macht eventuell einen Bogen um das Nexus 5 – vielleicht bekommen wir auf diese Weise in Zukunft bessere und innovativere Geräte.

Geschrieben von Gary Madeo

Gary Madeo

Bloggt seit Jahren mit vielseitigen Interessen, kümmert sich um administrative und redaktionelle Inhalte. Sachlich und nüchtern, oder auch persönlich und polemisch – auf jeden Fall aber immer voll bei der Sache.

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