Auf die Größe kommt es an: kaum ein Smartphone, dass ohne die Diskussion auskommt, es sei zu groß oder zu klein– letzteres schließt sich bei Sonys 6,4 Zoll Phablet aus, denn das Z Ultra ist riesig und sprengt sämtliche Konventionen. Ob es auch großartig ist, erfahrt ihr in unserem Sony Xperia Z Ultra Test.

Ihr kennt die Frage, falls ihr wie ich früher beim schwäbischen Metzger einkaufen gehen musste (und später aus Protest jahrelang Vegetarier wart): „Darf’s a bissle meh sei?“. Sonys Antwort lautet eindeutig: kann, sein, muss! Die Japaner bietet oberhalb ihrer ohnehin nicht kleinformatigen Oberklasse-Smartphones Xperia Z und Z1 noch ein weiteres Gerät, für das die Bezeichnung Phablet streng genommen schon nicht mehr ausreicht. Mit Phablet assoziieren wir in erster Linie Geräte wie das Galaxy Note 3, dass aber mit seinen 5,8 Zoll mindestens eine Klasse drunter angesiedelt scheint. Zum Vergleich: zwischen HTC One und seinem Mini-Ableger liegen 0,4 Zoll, die ausreichen, um die Smartphones in unterschiedlichen Klassen anzusiedeln. Das Sony Xperia Z scheint neben Modellen wie dem Alcatel OneTouch Hero sowie dem Galaxy Mega das letzte Bindeglied – the missing link – zwischen Smartphone und Tablet darzustellen – wenn man so will, eine ganz eigene Klasse von übergroßen Android -Geräten. Man täte dem Z Ultra aber Unrecht, würde man es vorschnell als brachiales Trampeltier definieren, dass allein dazu gedacht ist, das Telefonieren in der Öffentlichkeit zur breitbeinigen Inszenierung eines riesengroßen Egos des Besitzers zu reduzieren. Das Z Ultra bietet viel mehr:

[divider]Design, Haptik & Verarbeitung[/divider]

Platz ist angeblich in der kleinsten Hütte, mit dem Z Ultra wird dieses Sprichwort auf die Probe gestellt!
Platz ist angeblich in der kleinsten Hütte, mit dem Z Ultra wird dieses Sprichwort auf die Probe gestellt!

Das Z Ultra ist auch verglichen mit ähnlichen Geräten – man denke etwa an das Galaxy Mega –  sehr groß und ein wenig sperrig geraten. Was das Handling erleichtert ist die Tatsache, dass das Z Ultra erstaunlich dünn geraten ist – trotzdem: in der Hosentasche ist das Phablet falsch aufgehoben, außer man hat große Seitentaschen. Telefonieren sollte man auch eher in Verbund mit einem Headset betreiben, hierfür ist das Z Ultra selbstredend via Bluetooth vorbereitet.

 

Apropos dünn: trotz der schlanken Bauweise hat Sony wie auch schon beim Xperia Z und Z1 alle Lücken dicht gemacht – so ist auch das Z Ultra wasserdicht nach IP58 zertifiziert. Ihr könnt also damit in der Badewanne Videos schauen, am Baggersee auf Unterwasseraufnahmen machen oder einen Platzregen unbeschadet überstehen. Sicher ihren Anteil haben die verwendeten Materialien: Metall und Glas sorgen für einen edlen Eindruck, der durch Eigenschaften wie Kratzfestigkeit überzeugen. Der durchgezogene Aluminium-Rahmen (wesentlich dünner als bei den kleineren Geschwistern) sorgt für zusätzliche Stabilität. Alle Bedienelemente sind rechts angeordnet, wobei der runde Einschaltknopf für Sony typisch hervorragt und gut zu bedienen ist. Die Lautstärkewippe ist unterhalb angebracht, besitzt einen hervorragenden Druckpunkt (nicht zu schwammig oder zu viel Widerstand) und lässt sich nach kurzer Zeit auch blind bedienen. Auf der linken Seitenleiste hat Sony einen Dock-Connector angebracht, so dass ihr das Z Ultra im Querformat in die separat erhältliche Docking-Station platzieren könnt.

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Schön, das Sony trotz des Unibodys nicht auf zusätzlichen Speicheranbindung in Form eines micro-SD-Slots verzichtet hat, wodurch ihr die 32 GB internen Speicher jederzeit um bis zu 64 GB erweitern könnt. Das macht bei einem Riesendisplay auch sehr viel Sinn, denn der nächsten längeren Bahnfahrt steht aus cineastischer Sicht damit nichts mehr im Wege – außer die Filme sind über 4 GB groß, dann könnt ihr sie nicht auf die Tat-formatierte SD-Karte speichern bzw. davon abspielen.

[divider]Display[/divider]

Das Display mit 6,4 Zoll Diagonale löst in 1920×1200 Pixeln auf ( FullHD ist per Definition auf 1920×1080 beschränkt ) , ist ausgestattet mit der patentierten BRAVIA-Bildverbesserung, die diesmal wirklich gut arbeitet, und besitzt eine DPI (Pixelfeinheit des Displays) von 334, was einerseits ausreichend ist (das Display ist hervorragend und deutlich besser als beim Xperia Z, vor allem beim Schwarzwert und der Blickwinkelstabilität) aber nicht ganz auf einer Linie mit dem Klassenprimus Note 3.

Für mich persönlich spielen diese Zahlen nur eine bedingt entscheidende Rolle, letztlich kommt es auf die Qualität des verbauten Panels und der verwendeten Bildverbesserungstechnologie an: und hier hat eben Sony seine Hausaufgaben gemacht und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Oder etwas neutraler ausgedrückt: der Schwarzwert ist bauartbedingt auf gutem, indes nicht höchstem Niveau. Besser schneidet das Display im Bereich der maximalen Helligkeit aus, satte 445 cd/m2 stehen hier zu Buche. Seine Stärken spielt das Panel bei hochaufgelöstem Videomaterial aus, im Alltag gefällt mir die milchige Darstellung, die typisch ist für alle Sony-Displays der letzten Zeit, nicht besonders – was sicher auch eine Geschmacksache ist.

[divider]Bedienung und UI[/divider]

Sony verwendet eine eigens angepasste Version von Android 4.1, wobei sich die Änderungen vor allem auf zwei Bereiche konzentrieren: Veränderungen der Optik und Ergänzung durch Apps und Widgets, die den Nutzer-Komfort erhöhen sollen.

Grundsätzlich beschrieben wurde die UI von mir bereits im Test zum Xperia Z Smartphone, weshalb ich an dieser Stelle gerne darauf verweise. Im Prinzip legt Sony auch hier den Schwerpunkt auf den Multimedia-Bereich, der im Vergleich zum Stock-Android wesentlich aufgebohrt daherkommt. Ebenfalls mit dabei, aber ungetestet, bleibt leider die Docking-Station und die damit verbundenen Funktionen, die für mich zu den Highlights beim Xperia Z Ultra gehörten. Die gibt es leider nur gegen Aufpreis.

 

[divider]Performance & Android[/divider]

Auf Dauer hilft nur Power– dachte sich zumindest die Verantwortlichen und verpassen dem Z Ultra eine Snapdragon 800 CPU, die nicht nur über jeden Zweifel erhaben ist, sondern auch Leistung satt liefert. An der Performance des Stock-lastigen Android 4.2.2 gibt es nichts auszusetzen: alles läuft so, wie man es bereits vom Vorgänger gewohnt ist butterweich und megaflüssig. Hänger, Verschnaufpausen und dergleichen leistet sich das Gerät nicht.

Kritiker mögen (zurecht) anmerken, dass die CPU auch nicht besonders viel mehr zu tun hat im Vergleich zum Xperia Z und von daher heillos überqualifiziert ist. Das stimmt sogar in gewisser Hinsicht.

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Das OS unterscheidet sich natürlich zunächst optisch ein wenig von der Standard Android-Oberfläche, da es andere Icons und eine gräulich-dezentere Farbgebung verwendet, bei der aber analog zu Jelly Bean dunkle Farben dominieren. Das wirkt mitunter auf Dauer ein wenig eintönig und wenig einladend.  Zum Einen sind da sicher vordergründige und optisch auffällige Veränderungen, wie andere Icons zu nennen,  die unter die Rubrik “kosmetische Korrektur” einzuordnen sind. Andererseits wurde hier und da an manchen Stellen  etwas stärker in das System eingegriffen, und das meist mit äußerst positivem Effekt.

So wurde etwa der App-Drawer um eine nützliche Sortierfunktion erweitert: man kann sich die Apps auf vier verschiedene Art und Weise anzeigen lassen: etwa alphabetisch oder nach folgenden Kriterien “Neu installiert”, “Meist verwendet” sowie nach einer frei konfigurierbaren “Eigenen Sortierung”. Prima Sache und sicher nützlich, wenn man viele Apps installiert hat. Die praktische Sortier- und Suchfunktion wurde beim Xperia Z1 ausgebaut und wird über eine Wischbewegung von links nach rechts eingeblendet. Trendy, intuitiv und funktional – gute Idee. Leider belässt es Sony allzu häufig bei einzelnen Elementen, die wie das Werk eines einzelnen Programmierers wirken und lässt eine integrierende Gesamtkonzeption vermissen.

Im Vergleich zu Android Jelly Bean ist der Multitasking-Button erweitert und funktionaler: er dient nicht nur dazu, durch die letzten geöffneten Apps zu wechseln oder diese zu schließen, sondern ist um eine untere Leiste erweitert: ab Werk liegen dort ein Taschenrechner, ein Timer, ein Notizblock sowie ein Mikrofon für Sprachnotizen. Außerdem lassen sich noch weitere sogenannte “Small-Apps” installieren. Was ich hier allerdings nach wie vor vermisse ist die Möglichkeit, mit einer Geste ALLE geöffneten Apps zu schließen.

Wenn man auf eine freie Fläche in den Homescreens drückt (es gibt insgesamt sechs Stück davon), bekommt man ein hübsches Menü angezeigt, von wo aus man Widgets und Apps  hinzufügen oder die Optik (Hintergrund und Designs) ändern kann. Das gibt es so oder so ähnlich auch bei anderen Android-Reinkarnationen, allerdings ist das nirgends so gut und intuitiv in das System eingearbeitet wie hier beim Sony Xperia Z.

Zusätzlich zu den gewohnten Standards gibt es auch eine ganze Reihe exklusiver Widgets, die Verknüpfungen zu Sony-exklusiven Apps und Diensten (Sony Select, Smart Connect etc.) darstellen: Walkman-, Kontakt- und Letzte Anrufe-Widget : sie sind optisch hervorragend anzuschauen, funktional und in den Sony-Look integriert. Dagegen sehen andere Widgets fast wie störende Fremdkörper aus.

Insgesamt schnürt Sony ein umfangreiches Multimedia-Package, dass von speziellen App- und Spieleversionen bis hin zu nützlichen Begleitern wie einem UKW-Radio reicht.  Natürlich ist auch unnötiges Zeug dabei, auch wenn sich das im Vergleich etwa zu Samsung noch in Grenzen hält.  Für den Multimedia-Einsatz ist das Sony Xperia Z Ultra gut vorbereitet: ab Werk kann es sowohl als DNLA-Client, als auch Server fungieren: sprich, entweder benutzt ihr das Xperia Z Ultra um Bilder, Musik oder Videos von anderen Geräten im Haus abzuspielen, oder es stellt selbst Multimedia-Inhalte für andere Clients bereit.

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Gut gefällt mir nach wie vor der Sony Walkman: hier wartet ein brauchbarer Equalizer sowie (ganz nette, aber nicht benötigte) Visualisierungseffekte auf ihren Einsatz. Statt des Equalizers kann auch eine Funktion namens Clear Audio eingesetzt werden, die dem Klang zu möglichst großer Klarheit verhelfen will. Apropos Klang: ich werde es nicht häufig verwenden, aber der Sound der Lautsprecher ist tatsächlich laut und glasklar. Analog gilt das für die Wiedergabe über Kopfhörer: das mitgelieferte Exemplar liefert eine ordentliche Qualität. Das HTC One bleibt aber hier nach wie vor die unerreichte Referenz.

[divider]Kamera[/divider]

Leider patzt Sony tatsächlich bei der Kamera- und Videfunktion: zwar sind sie ebenfalls mit den aus Kompaktkameras bekannten CMOS-Sensoren namens Sony Exmor R ausgestattet, aber das Gelbe vom Ei stellen sie nicht gerade da. Andere Blogger-Kollegen haben das übrigens bereits in hervorragender Art und Weise diesen Bereich ausgearbeitet, nachzulesen etwa hier oder hier, und so wahnsinnig neue Erkenntnisse konnte ich auch nicht gewinnen.

[divider]Fazit[/divider]

Gar nicht so einfach, ein Fazit zu ziehen. Einerseits spricht mich  das Xperia Z Ultra in vielerlei Hinsicht an: es ist sehr groß, wunderbar verarbeitet und sieht viel besser aus als das Xperia Z und das Z1, ähnlich, wie das Xperia Z Tablet in Punkto Design, Ausmaße und Verarbeitung kaum zu Wünschen lässt. Viel besser kann man das im Moment gar nicht machen. Vor allem überzeugt mich die schlanke und beinahe grazil wirkend Bauweise des Z Ultra. Diese fordert aber einen heftigen Tribut: die Kamera ist auf Tablet-Niveau, was bedeutet, dass es keine Alternative zum Galaxy Note 3 darstellt, zumal das Z1 Ultra noch eine ganze Ecke größer ist und tatsächlich das Niemandsland zwischen Smartphone und Tablet. Zwar unterstützt das Sony-Phablet die Stifteingabe und Bedienung per Stylus (funktioniert wunderbar mit dem S-Pen des Note 3), kann aber was den Funktionsumfang nicht mal ansatzweise mithalten. Also scheidet diese Option als Art Organizer auch aus. Danach bleibt nicht mehr viel übrig was aus meiner persönlichen Sicht eine Anschaffung rechtfertigen würde. Telefonieren möchte ich mit dem Ding nicht, zumindest nicht auf klassische Art und Weise. Zum Videoschauen und Zocken, ja, das kann man mit dem Z Ultra wunderbar, aber wenn ich ehrlich bin, mache ich das so oft nicht. Für weit weniger als die Hälfte bekomme ich ein Nexus 7, mit dem ich das auch kann und hätte noch Geld übrig für ein Smartphone. Klar, dann hätte ich zwei Geräte. So richtet sich das Xperia Z Ultra an alle, die ein Smartphone und Tablet in einem Gerät wollen , auf eine überdurchschnittliche Kamera verzichten können und die keine Organizer-Funktionen benötigen.

Persönlich würde ich mir wünschen, dass Sony künftige Neuauflagen mehr in Richtung einer vollwertigen Alternativen zur Galaxy Note-Reihe von Samsung tritt. Solange bleibt das Sony Xperia Z Ultra für mich ein wunderschönes Gerät, für das ich keinen wirklichen Einsatzbereich habe.