SPB Shell 3D Review

„Setze ich auf Googles Android oder Apples iOS?“, das ist derzeit eine der entscheidendsten Fragen beim Handykauf.  Auf den ersten Blick unterscheiden sich beide nicht wesentlich. Mit einer Wischgeste nach links oder rechts, wechselt man zwischen den verschiedenen Homescreens, auf welchen Symbole abgebildet sind, die bei Berührung die entsprechende Anwendung starten. Das Grundgerüst haben also beide gemein.

Google setzt allerdings im Gegensatz zu Apple auf Personalisierbarkeit. Mit etwas Aufwand und gründlicher Lektüre der einschlägigen Android-Foren lässt sich praktisch alles verändern, austauschen und den eigenen Bedürfnissen anpassen. Das kann Fluch und Segen zugleich sein, denn für einen relativ kleinen Mehrwert investiert  man sehr viel Zeit.

Die schnellste und einfachste Möglichkeit, seinem Smartphone einen komplett neuen Anstrich zu verleihen, ist das Kaufen einer neuen Oberschale auf dem Flohmarkt… nicht! 🙂 Früher wechselte man die Geräteoberfläche, heute ist es die Systemoberfläche, der sogenannte „Launcher“. Dieser bestimmt über Funktionen und Aufbau der eingangs beschriebenen Homescreens. Er wird heruntergeladen und  installiert wie jede gewöhnliche App auch.

Mit zusätzlichen apps wie home switcher oder homesmack lässt sich auf der Suche nach der besten „Konfiguration“ beliebig oft und schnell zwischen den unzähligen, im Android Market oft kostenlos angebotenen, Launchern hin und her wechseln.  Ob ADW- oder Go Launcher, Zeam oder Launcher Pro, sie alle haben ihre Vor- und Nachteile.

Um es schon mal vorweg zu nehmen, auf

SPB Shell 3D

trifft dies ebenfalls zu. Doch aus der Hülle und Fülle an Konkurrenz sticht dieser Launcher durch zwei signifikante Merkmale heraus – auf der einen Seite ist  das der deutlich und sichtbar höhere Entwicklungsaufwand, auf der anderen Seite, der  dadurch resultierende stolze Preis von 10€.

Um den freeware verwöhnten Android-Kunden davon zu überzeugen, ausnahmsweise doch die Kreditkarte oder das Paypal-Konto zu bedienen, haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen.

Das hervorstechendste Feature ist die partiell dreidimensionale Darstellung. Zwischen den verschiedenen Homescreens kann auf zwei Arten gewechselt werden –  die bereits von den Standardoberflächen sowie den anderen Launchern gewohnte Wischtechnik, oder, durch das Verschieben des am unteren Bildschirmrand befindlichen und beweglichen Homescreenbuttons. Das Besondere: Es erscheint eine sehr schön gestaltete und butterweich animierte 3D-Ansicht, mit der man mit kurzen Bewegungen an die linke und rechte Kante durch sämtliche Homescreens blättern kann. Das sieht nicht nur ausgezeichnet aus, es funktionert auch wunderbar.

Auch beim Drücken der Hometaste öffnet sich diese Ansicht, lässt man anschließend den Bildschirm unangetastet, setzen sich die Ausschnitte selbstständige in Bewegung, und zeigen mit ebenso schönen Animationen die darauf befindlichen Widgets. Bilder ploppen hervor, eine Erdkugel beginnt zu rotieren, das Wetter-Widget zeigt einen verregneten Himmel, eine dreidimensionale Torte dreht vor dem Facebook-Bild des nächsten Geburtstagskindes Kreise usw. Das kann man zwar als Spielerei abtun, doch wenn Super Mario sich hinlegt und ein Nickerchen macht, während er auf die nächste Eingabe wartet, findet das auch jeder irgendwie süß. Also warum dann nicht. Es mindert ja schließlich nicht die Bedienung.

In der 3D-Ansicht wird in der rechten unteren Ecke ein Symbol abgebildet, das beim Berühren  die Homescreens in den Hintergrund rückt, und neue leere Bildschirme davor ausbreitet. Möchte man zusätzliche Bildschirme, schiebt man einen aus dem Vordergrund in den Hintergrund. Das Ganze funktioniert selbstverständlich auch andersherum. Des Weiteren lassen sich hier die Screens umbenennen, als Hauptbildschirm festlegen, oder ihre Farbe ändern. Soviel zum dreidimensionalen Teil.

Was haben die eigentlichen Bildschirme zu bieten? Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Während der schlicht gehaltene Zeam-Launcher weiche Übergänge vom einen Bildschirm zum anderen erlaubt, kommt es beim Launcher Pro mit seinen scrollbaren Widgets oft zu ruckeligen Animationen. Ein K.O.-Kriterium für geschwindigkeitssüchtige Power-User.  Hier macht sich die gute Entwicklungsarbeit der SPB Shell 3D-Macher bemerkbar. Die Screens flutschen flüssig beim gleichzeitigen Darstellen vieler Apps, Ordner und Widgets.

Neben den üblichen Widgets, gibt es eine SPB Shell exklusive   Widgetsammlung, bestehend aus Uhrzeit-, Wetter-, Flickr-, Kalender-, Geburtstag-, Galerie- und Weltzeitzeit-Widget. Allesamt sind ansprechend gestaltet. Das Uhrzeit-, Wetter-, Flickr-  und das Kalender-Widget  sind dabei bildschimrfüllend. Als besonders nützlich erweisen sich der Kalender und das Wetter, da sie alle wichtigen Informationen auf einen Blick in sehr ansprechender Weise gewähren. Die übrigen Widgets sind zwar kleiner, und wirken zunächst unspektakulär, werden aber beim Anklicken dreidimensional animiert. So kann man durch die zuletzt geschossenen Fotos und die nächsten Geburtstage  blättern, oder einen Globus drehen, um beispielsweise die aktuelle Ortszeit Tokyos einzusehen.  Ebenfalls schön animiert werden das Verschieben und Platzieren von Apps oder Ordnern. Ähnlich wie beim iPhone wird dem verschobenen Symbol Platz gemacht, ehe es losgelassen wird und die restlichen Millimeter bis zum Rasterpunkt selbstständig geht. Auch Widgets machen bei Bedarf Platz.

Die erstellten Ordner geben sich, je nach Inhalt, selbstständig einen Namen, lassen sich aber auch manuell benennen. Das Öffnen und Schließen der Ordner wird selbstredend in Bewegung dargestellt. In „Extras“-Ordner befinden sich Elemente zu Steuerung der Bildshirmhelligkeit, Ein- und Auschalten der WiFi- und Blutooth- Funktion sowie der Töne, und eine Batterieanzeige, die die verbliebene Leistung in Prozent anzeigt, und bei Bedarf durch Klicken direkt zu den detaillierten Akkustatistiken führt. Trotzdass der Launcher aufwendige 3D-Effekte verwendet, taucht er so gut wie nie in der Akkustatistik auf, das spricht für einen sehr geringen Energiebedarf. Dennoch ist die Verwendung des Launchers nur für Handys mit viel Power unter der Haube zu empfehlen.

Die restlichen Apps befinden sich android-typisch im Appdrawer, einer vertikal scrollbaren Gesamtansicht aller installierten Apps. Ein dezenter 3D- Effekt lässt sich hinzuschalten, macht aber das Scrollen ruckeliger, zumindest auf dem verwendeten Testgerät. In der rechten oberen Ecke derjenigen Symbole, die  auch auf den Homescreen abgelegt sind, befindet sich ein kleines Häuschen, das quasi als Verknüpfung zum Homescreen fungiert, man wird beim Antippen direkt dorthin geführt. Ansosnten gibt es keine größeren Unterschiede zu den bekannten Appdrawern der Konkurrenz.

SPB Shell 3D FAZIT:

SPB Shell 3D  hinterlässt von allen verfügbaren Launchern auf dem Markt den mit Abstand durchgestyltesten und durchdachtesten Eindruck. Obwohl er auf viele Effekte setzt, ist der Launcher viel mehr als nur Spielerei. Durch die nahezu perfekte Bedienbarkeit, die gute Integration in das restliche System, wirkt das Smartphone intuitiv steuerbar, zeigt wichtige Informationen in kürzester Zeit, und ist dabei jederzeit schön anzusehen. Wermutstropfen: Das ganze kostet Zehn Euro, was nicht wenig ist für eine App. Einen positiven Nebeneffekt kann der hohe Preis aber auch haben – aus reiner Langeweile wird man den

SPB Shell 3D Launcher

nicht mehr so schnell wechseln, aus anderen Gründen eigentlich auch nicht. SPB Shell 3D ist eine dicke Empfehlung wert.

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