Asus legt mit dem Transformer Prime den Nachfolger zum durchaus recht erfolgreichen, wenn auch kontrovers diskutierten Vorgänger Eee Pad Transformer, da es mit einigen Kinderkrankheiten behaftet war und nicht auf ganzer Linie überzeugen konnte. Es mag unüblich sein, die Spannung sogleich im ersten Absatz zu zerstören, aber wir werden euch jetzt gleich sagen, dass den Entwicklern von Asus eine zwar über alle Maßen erhabene und runderneuerte Neuauflage gelungen ist, aber kein Ipad- oder GT Tab 10.1-Killer. Unser mit Hilfe von getgoods.de zustande gekommener Testbericht sagt euch warum.

[pullquote_left]Das weltweit erste Tablet mit QuadCore-Prozessor und Android 4 sind- gepaart mit der Tastatur-Docking-Station- gewaltige Gewichte, die Asus in die Waagschale wirft.[/pullquote_left]

Ersteindruck: Haufenweise Premieren im edlen Design

Modernes Stilleben: Asus Transformer Prime

Mit einem edel anmutenden Metallic-Finish (Asus selbst spricht von einer konzentrisch gebürstete Metall-Oberfläche) kann das Prime auf jeden Fall zunächst überzeugen: edel und seriös in der Optik, fühlbar hochwertig in der Haptik- das wirkt ganz anders als der Vorgänger, der sich ein bisschen wie ein Plastik-Bomber aus China ausnahm. Die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei, möchte man meinen, und um noch eine Floskel zu verbraten, „das ist auch gut so!“ Auch sonst kann das Transformer Prime einige Unique Selling Points für sich verbuchen: Das weltweit erste Tablet mit QuadCore-Prozessor und Android 4 sind- gepaart mit der Tastatur-Docking-Station- gewaltige Gewichte, die Asus in die Waagschale wirft. Dass dabei der Preis nicht in exorbitante Höhen emporschellt, überrascht beim 8,3 mm dünnen (das ist weniger als etwa das Galaxy Note 10.1) und 586g schweren (das ein klein wenig wär als das, was das iPad2 mitbringt) und macht ein klein wenig stutzig: irgendwo muss doch an der ganzen Geschichte ein Haken sein.

[pullquote_left]Diverse MKV-Container-Dateien spielte das Transformer Prime im Gegensatz zum Galaxy Tab 10.1 problemlos ohne Murren und mit dem Standardplayer ab.[/pullquote_left]

Doch zunächst wischt das 10,1 Zoll große Tablet alle Bedenken beiseite, sieht das Gorilla-Glas-gestählte Display äußerst resistent und kratzfest aus (wir haben da lieber keine Gegenprobe genommen), schmeicheln die gelungene Form vor allem die etwa vom Vorgänger und dem Iconia Tab geplagten Hände. Nach einer Weile bemerken wir, dass die abgerundeten Ecken sich seltsam anfühlen: sie sind doch ein bißchen „edgy“ geraten, und so richtig metallisch ist dann doch nur das Finishing. Der Rahmen um das Display fällt definitiv zu breit aus und lässt das Transformer Prime etwa im Vergleich zum Galaxy Tab 10.1 weniger grazil erscheinen.  Ein getarnten Plastikbomber? Dann doch lieber ein Tablet, dass seine aus Plastik bestehenden inneren Werte nicht kaschiert, sondern damit offensiv umgeht. Kleiner Beigeschmack – oder wie sagt man im Schwabenland „Geschmäckle“, aber insgesamt noch im subjektivem Rahmen- kein Punktabzug!

 

Was für Angeber: Prozessor

Apropos innere Werte, apropos Prozessor: damit protzt das Prime an allen Ecken und Enden. Nicht mehr nur zwei, gleich vier Kerne hat Asus als weltweit erster Hersteller in der Tegra3-Architektur ins Rennen geschickt. Das liest sich nicht nur gut, sondern ist sofort sichtbar: der Wechsel zwischen den einzelnen Homescreens, der Start einer App laufen spür-und messbar schneller ab als auf anderen Tablets. Weitere Vorteile: Full-HD-Filme und aufwändige Spiele aus dem App-Market (bzw Google Play) stellen für das Prime nicht mehr als eine leidige Pflichtübung dar, die es mit Bravour und müheloser Leichtigkeit meistert.

Diverse MKV-Container-Dateien spielte das Transformer Prime im Gegensatz zum Galaxy Tab 10.1 problemlos ohne Murren und mit dem Standardplayer ab. Probleme gab es dagegen immer wieder etwa bei der Wiedergabe von Streams im Heimnetzwerk – sei es von Windows 7-, XBMC- oder Samba-Freigaben. Entweder wurde das Abspielen komplett verweigert, oder es gab keinen Ton, weil die AC3- oder DTS-Tonspur nicht erkannt wurde. Hier macht aber auch gerne die Gegenseite immer wieder ein Strich durch die Rechnung. Abhilfe schuf etwa die Kombination aus BubbleUPnP und MX Video-Player: ruckelfreie Videos, Tonspur auswählbar – dem Videoabend im Bett stand Nichts im Wege.

Insgesamt ist der Prozessor eine der großen Stärken des Transformer Primes.

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Display

Video-Formate abspielen ist das eine, ob die Wiedergabe auch Spaß macht, eine andere. Das Display ist trotz des vielbeworbenen IPS+-Systems die Achillesferse beim Transformer Prime- eine leider viel zu sichtbare, die das gesamte Tablet-Erlebnis trübt und negativ beeinflusst. Darüber können reichhaltige Ausstattung und Erweiterbarkeit oder ein protziger Tegra3-Prozessor nur bedingt hinwegtäuschen. Stellt den Prime neben ein Galaxy Tab 10.1 hinsichtlich der Farbbrillanz oder neben iPad2 und vergleicht die Helligkeit der Displays – das Prime geht längst nicht mehr völlig unter, zieht aber den Kürzeren. Das IPS+-Display spielt seine Stärken bei Videos durchaus aus, der überdurchschnittlich große Betrachtungswinkel gepaart mit der ruckelfreien Wiedergabe sind für mobile Cineasten wie geschaffen. Der ehedem positive Eindruck verblasst ein wenig beim alltäglichen Surfen durch die Hoemscreens oder im Internet. Uns fiel im Alltag auf, wie etwa „weiß“ deutlich zu cremefarben ausfiel. „Schwarz“ war bei eingeschalteter IPS+-Funktion nicht mehr „schwarz“ , sondern gräulich und insgesamt wenig farbtreu. „Möglichst hell“ ist nicht die einzige Eigenschaft, die ein Tablet beherrschen sollte-  Galaxy Tab 10.1 und iPad2 liegen hier vorne. In dieser für Tablets so wichtigen Kategorie patzt das Transformer Prime.

Kamera-und Video

Eine Kategorie, die im Smartphone-Bereich zwar mittlerweile durchaus wichtig ist, deren Sinn sich uns in Bezug auf Tablets aber nicht vollständig erschließt, ist die der Kamera-und Videofunktion. Möglich, dass wir nach Heckenjumping einen weiteren Trend verschlafen, aber Fotografieren mit einem Tablet finden wir reichlich dämlich. Nichtsdestotrotz erlauben Hersteller und Käufer auch auf diesem Gebiet neuen Tablets keine Blöse.

Das Asus Transformer Prime kommt wie mittlerweile üblich mit zwei Kameras daher: die rückseitige, mit Autofokus und Blitz ausgestattete löst mit einer Auflösung von satten 8 Megapixeln auf, vorderseitig sind es „nur“ 1.2 MP, die Asus seinem Prime mitgegeben hat. Nicht überraschend: bei günstigen Lichtverhältnissen sind die Aufnahmen gut (scharf, kontrastreich, farbtreu) und durchaus brauchbar; in dunklen Umgebungen werden selbst der 8MP-Kamera sehr schnell deutliche Grenzen aufgezeigt.

Bei Videoaufnahmen (nominell 1080p, also Full-HD) ein ähnliches Bild: gut in günstigen Situationen, ansonsten durchwachsen unter widrigen Lichtverhältnissen. Für Skype oder ähnliche Videokonferenzen sind die Kameras aber hervorragend geeignet.

Betriebssystem & Bedienung

Auf einem Tablet meist sinnvoller ist die Desktop-Version einer Webseite.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Verkaufsstart erschien das Transformer Prime mit der für Tablets gewöhnlichen Android 3.2-Version, wurde aber im Januar per OTA_Update auf Android 4 aka Ice Cream Sandwich  gehievt. Dieses Update brachte ein Reihe von Verbesserungen mit sich, die sich vor allem im Alltag bemerkbar machten. Ein paar Beispiele in Hinblick auf  Kamera und Video gefällig?:

  • die Kamera ist direkt aus dem Unlock-Screen heraus zu starten
  • Screenshot-Funktion
  • Panorama-Funktion beim Fotografieren; Videoaufnahmen können mit zahlreichen Effekten versehen werden
Sehr gut gefallen hat uns beim Browsen der problemlose Wechsel zwischen der mobilen- und der Desktop-Version einer Webseite, letztere macht dank großen Display beim Transformer Prime ja dann doch mehr Sinn als die meist „kastrierte“ mobile Ansicht. Viele Apps werden dadurch oftmals hinfällig (z.B. Amazon oder eBay-App).
Selbstredend erweitert Asus Ice Cream Sandwich um einige, mal mehr, mal weniger, gelungene eigene Apps, wie etwa MyCloud (Online-Speicher), MyLibrary (Asus-eigene BücherApp), MyNet (zum Streamen/Bereitstellen von Inhalten im Heinnetzwerk – gelungen!), sowie Widgets (Wetter, Email). Während die Apps funktional in Ordnung gehen aber weitestgehend sehr nüchtern und spröde ausfallen, sind die Widgets sehr gelungen. Licht und Schatten also auch auf diesem Gebiet.
Nicht besonders gefallen hat uns zudem die Tatsache, dass das Tranformer Prime NICHT am PC über USB geladen werden kann- eine Selbstverständlichkeit, die wir schmerzlich vermissen und nicht gutheißen wollen.
Im Alltag kämpfen potenzielle Transformer Prime-Besitzer vor allem mit zwei Grundübeln: Probleme mit GPS und vor allem WLAN-Abbrüchen in Kombination mit unerwarteten Neustarts. Asus hat hierbei bereits eine Reihe von Updates veröffentlicht (zuletzt war bei uns eine Version vom 21.02.2012 installiert)-wir befürchten jedoch, dass noch einige folgen werden, bis die Probleme vollständig beseitigt sind.

Akku

Der Akku ist seit dem Update auf Ice Cream Sandwich deutlich besser geworden. Unsere Praxis-Erfahrung bei alltäglicher Benutzung zeigt: alle 2 bis 3 Tage heißt es „Stromtanken“. Was wir mit alltäglicher Benutzung meinen? Wir meinen damit einen normalisierten Tablet-Gebrauch, wenn der Benutzer sich an das neue Gerät gewöhnt hat und als einen selbstverständlichen Teil seiner Multimedia-Erfahrung betrachtet: das gelegentliche, entspannte Surfen nach Feierabend auf der Couch, wo es stets griffbereit neben der Wohnzimmercouch liegt und man schnell seine Emails überprüft, etwas nachschlägt, hier und da ein Spielchen wagt oder ein Video anschaut. Bis dahin wird das Transformer Prime wohl öfters geladen werden müssen. Wir waren mit der Akkuleistung mehr als zufrieden, auch ohne das Mobile Dock, dass die Akkulaufzeit beträchtlich verlängert.

Fazit

Das Asus Transformer Prime ist ein gutes Tablet, das mit reichlich aktueller Technik und Ausstattung daherkommt, gegenüber dem Vorgänger mächtig aufgebohrt wurde und den Abstand auf die Spitzenreiter im Tablet-Bereich merklich verkürzt hat – man befindet sich in Schlagdistanz zu Apple und Samsung. Zum Klassenprimus hat es nicht ganz gereicht, dazu fanden wir das iPad2 oder das Galaxy Tab 10.1 dann doch ein klein wenig besser (schöneres Design, besseres Display, tadellose Bedienung und Funktionalität).

Zu einem Preis von unter 600 € bekommt man das Asus Transformer Prime bei unserem Kooperationspartner getgoods.de entweder in der hier getesteten Variante mit 64 GB Speicher, oder die kleinere Version mit 32 GB (völlig ausreichend) inklusive mobiler Docking-Station.

 

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